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DIE HB-MATRIX

Ich hatte mir ehrlich kein allzu hohes Ziel gesteckt an diesem Abend. Es musste nicht einmal die Migros sein. Nein, auch der Bücherladen links von der dritten Aufwärtstreppe oder die Bäckerei mit dem komischen Eingang rechts von der blauen Säule, hätten es getan. Aber leider: Fehlanzeige, einmal mehr fand ich keinen der gesuchten Standorte und musste frustriert auf den Zug rennen.
Dass ich seit meiner Geburt an einem schlecht ausgebildeten Orientierungssinn leide, weiss ich heute; warum der Zürcher Hauptbahnhof für mich allerdings derart viele Hindernisse bereithält will mir einfach nicht in den Kopf (ICH BIN DOCH NICHT BLÖD?!?).
Die Treppen unter den Geleisen, die Läden, die Leute – alles verschiebt sich ständig in völlig willkürlicher Art und Weise, während ich gestresst hindurchhetze. Der HB ist für mich eine MATRIX mit Läden, Menschen, Treppen, Gängen, Bäckereien, Rolltreppen und Liften: Kaum habe ich mir einen Anhaltspunkt gemerkt, wechselt er heimtückisch seinen Standort, die Richtung oder das Aussehen und ich komme völlig unverhofft aus einer anderen Richtung dazu. Am schlimmsten ist die Migros, von der ich mittlerweile vermute, dass sie sechs Eingänge auf 3 Etagen hat und sich sogar noch in ihrem Inneren drin verschiebt - sei es auch nur um mich zu ärgern...

Aber eben, man sollte nicht immer gleich so viel verlangen. Ich sehe es jetzt erstmal positiv: Immerhin finde ich heute (nach 3 Monaten) schon die Shopville, wenn ich am HB aus der S-Bahn gespuckt werde!
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BEIGESETZT

Kalter Wind haucht mir ins Gesicht, es riecht eigentümlich, ich erlebe alles durch eine Scheibe, sehe graue Mäntel und schwarze Schirme. Draussen regnet es, ich nehme hier ein Räuspern und da ein Niesen war.
Das Ganze widerholt sich jeden Morgen um 08.24. Ich sitze im Zug nach Zürich und wache auf. Jeden Morgen der selbe Ablauf. Ich steige um 07.30 Uhr in Bern in den Zug, trinke meinen heissen Kaffe, lese die umliegenden Zeitungen und schaue zum Fenster raus. Bald einmal lege ich die Zeitungen weg und lehne den Kopf an die eiskalte Scheibe. Auf Höhe Olten schlafe ich ein um stets punkt 08.24 wieder aufzuwachen in Zürich Altstetten. Das Bild, das ich dann sehe und das Gefühl, das ich erlebe sind immer die selben: Als wäre ich auf einer Beerdigung. Ich weiss nicht wie ich diese Assoziation wieder loswerde. Vielleicht war ich auf zu vielen Beerdigungen bei Regen, vielleicht hat das komische Altstetten tatsächlich etwas Tristes an sich... - ich weiss es nicht.
ob ich allerdings tatsächlich von selber erwache oder ob es Frau Weidanach ist, die mich weckt... ;)
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KONTAKTJACKE

Ich wollte sie nicht kaufen. Ehrlich nicht. Doch dann (ziemlich überraschend) kam der Tag an dem ich mir einbildete, dass keine der anderen im Schrank zum Wetter vor der Tür passte. Ich stürmte ins nächste Geschäft und ergatterte mir eine: Eine kurze, schwarze modische 0-8-15-Lederjacke.
Eine, wie sie zur Zeit jede zweite Frau spazieren trägt. Eine, die heuer auch vor so manchem Männer-Kleiderschrank keinen Halt macht.
Auf der einen Seite lächelte ich stets über all die schwarzjackigen „Tussis“, die wie gleichgeschaltete Hühner mit ihren blöden Lederjacken durch die Stadt bummelten, auf der anderen Seite beneidete ich sie, denn sie sahen wirklich gut aus (ausser wenn ihnen der Speck zwischen der Lederjacke und der Miss-Sixty-Jeans hervordrückte). Und so wurde ich schliesslich schwach und habe zugelangt. (Zu meiner Verteidigung muss ich anfügen, dass ich die Jacke am nächsten Tag nicht retournieren konnte, da mir mein kleines rotes Universum mitsamt dem Umtausch-Kassenzettel gestohlen wurde.)
Ich begann also zwangsläufig, das schwarze Teil zu tragen. Doch zu meinem eigenen grossen Erstaunen ist die Kehrseite der Jacken-Medaille glänzender als erwartet: Seit ich nämlich das erworbene Lederding spazierenführe werde ich täglich von irgendwem angesprochen. Ob im Zug, im Tram, im Geschäft oder auf der Strasse: Die Leute wollen mit mir ins Gespräch kommen. Die Wildfremdesten Leute lächeln, grüssen, nicken und gucken. Die neu gewonnene Anziehungskraft gipfelte gestern Abend darin, dass mir im Zug ein junger indischer Ingenieur den Hof machte mit den Worten: „I am single and look for a girlfriend“.
Tja, beinahe hätte ich ihm zur Antwort gegeben: "... dann kaufen Sie sich am besten eine schwarze Lederjacke."
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FRAU WEIDANACH

Ich kenne die Bedeutung der Buchstabenfolge „WEIDANACH“ nur deshalb, weil ich die drei Worte davor und das Wort, das darauf folgt, kenne. Jeden morgen höre ich „WEIDANACH“ und jeden Morgen von neuem regt mich der Begriff zu zwanghafter Grübelei an. Warum sagt die Frau das komische Wort? Warum sagt sie es so seltsam? Warum kann mein Hirn das unvertraute Wort nicht auseinanderpflücken und als das wahrnehmen was es ist und akzeptieren wie es ausgesprochen ist? WEIDANACH = „...weiter nach...“ – zwei eigentlich völlig vertraute Begriffe. Im Zusammenhang hiesse es wie folgt: „Dieser Zug fährt weiter nach Zürich Flughafen“.
Wahrscheinlich kommt meine unaufhörliche Verwirrung daher, dass ich einmal angefangen habe, mich über WEIDANACH zu wundern und das Wort nun automatisch Grübelei auslöst.
Warum Frau WEIDANACH die beiden Wörter dermassen unmöglich aneinanderleimt, warum sie weder Deutsch noch Französisch korrekt beherrscht, ob sie direkt im Lautsprecher sitzt, im vordersten Waggon, in einer Zentrale oder im stillen Kämmerlein alles auf Band aufgesprochen hat oder ob sie vielleicht sogar nur ein Computer ist - bleibt ein ewiges Geheimnis.
Ich stelle mir Frau WEIDANACH auf jeden Fall seltsam vor – alt und mit grellem roten Lippenstift.
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WHY NOT?

Er sieht müde aus, irgendwie verloren, irgendwie nicht wie von dieser Stadt. UND: er funkelt mich mit böse verengten Augen an!
Liebend gerne würde er sich nämlich neben mich auf den flauschigen Sitz im Tram setzen, auf dem meine rote Tasche trohnt. Solange ich aber die obligate Höflichkeitsfloskel „ist dieser Platz noch frei?“ nicht aus seinem Mund höre, bleibt die Tasche wo sie ist und ich kassiere vom Mann ein ungemütliches Funkeln. In Zürich-Örlikon entkomme ich dem bösen Blick, wechsle vom Tram in den Zug, suche mir im überfüllten Waggon zwei Plätze für mich und meine Tasche und schalte ab. Kurz darauf, es ist wie verhext, kommt schnaufend und wütend der böse blickende Mann ins Abteil geschneit.
Er entdeckt erst meine Tasche, dann mich. Ein Augenblick der Stille tritt ein. Die erschöpften aber feindseeligen Gesichter fechten einen unerbittlichen Kampf aus: Wer kann den anderen böser angucken? Auf einmal jedoch platzt der Mann heraus und lacht: „You’re the girl from the tram! - das Mädchen vom Tram". Meine Gesichtsmuskeln lockern sich, das Eis ist gebrochen. Der böse Mann und ich lachen bis uns die Tränen kommen und beginnen ungezwungen zu plaudern. Er, ein Private-Banker mittleren Alters ist erst seit ein paar Tagen in der Schweiz, findet die Leute kühl und unfreundlich, arbeitet ohne Unterbruch und weiss nicht so recht wie er die nächsten 5 Jahre - so lange ist er nämlich voraussichtilich hier - überstehen soll.
Ich höre interessiert zu, lasse meine Vorurteile schmelzen, baue Sympathie auf und denke schliesslich: "Why not?" und sage schliesslich: "lets go and drink some beers somewhere!".
10 Minuten später stehe ich mit dem schnaufenden Amerikane im Zürcher HB, trinke ein grooosses Bier, und rede über Gott und die Welt. Vor allem über die Welt - DAS PURE LEBEN!

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KLEINES, ROTES UNIVERSUM

Wie ging das gleich noch einmal mit dieser Pyramide, der „pawlovschen“? Der Mensch braucht Sicherheit, Nahrung, Beziehungen etc.?
Nicht so wichtig. Gegeben sind diese Komponenten in der heutigen Gesellschaft durch die Faktoren Versicherung, Geld und liebe Mitmenschen. Ich bin, oder anders gesagt, der durchschnittliche Mensch in unseren Breitengraden ist also ziemlich gut ausgerüstet. Erstaunlich ist aber eigentlich, dass sich dies alles in der Regel – ein ganzes Universum – in ein rotes Quadrat von knapp 12 mal 14 Zentimeter Oberfläche pressen lässt: Ein rotes Lederportemonnaie voller Kärtli, Föteli, und Nötli.
Ebendieses Objekt habe ich vor drei Tagen achtlos auf einem Tablett in der Kantine meiner Firma liegengelassen. Zuletzt gesehen habe ich das Ding damals Mittags um 12.35, im rechten Augenwinkel, knapp hinter dem Rand meines Essenstabletts. Dann verschwand es irgendwie – und ist seither spurlos verschwunden.
Was das kleine rote Universum wirklich bedeutet, habe ich erst gemerkt, als es nicht mehr da war - nah dis nah prasselten die Probleme auf mich ein: Keine Postcard, kein Geld; kein Presseausweis, kein Einkommen und wenn alle gesammelten Visitenkärtli weg sind... usw.
Lange Rede kurzer Sinn: bis das kleine, rote Universum ersetzt ist, herrscht bei mir ziemliches Pissnelkenwetter!
 
Ps: ein gelungenes Experiment mit Nervenkitzelcharakter ist übrigens: sechs mal per SBB die Strecke Zürich-Bern zurücklegen ohne Ticket, ohne Geld und ohne Ausweis. 
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SCHWIMMKURS

Froschschenkelrhythmus mit den Beinen, Zieh-und-Stoss-Verrenkungen mit den Armen, beides gleichzeitig und dazu fast ohne zu atmen: Schwimmen lernen!
Dies ist, so erinnern sich wohl die meisten von uns zurück, kein einfaches Unterfangen. Es beinhaltet einen hochkomplizierten Bewegungsablauf zu automatisieren, der erst dann in seiner Gänze funktioniert und seine Wirkung entfaltet, wenn er absolut korrekt ausgeführt wird.
Schwimmen lernen. Wer’s einmal erlickt hat kann dabei entspannen, kann das Wasser und die Kühle geniessen; wer’s dagegen erst erlernen muss fürchtet während des Übens um sein Überleben in dem fremden Element.
Ebenso ergeht es mir dieser Tage: Zwar erlerne ich nicht das Schwimmen dafür aber einen neuen Job. Das heisst, den alten Job in einem völlig fremden Gewässer: Fremde Programme, fremde Technik, ein fremdes Vokabular, fremde Abläufe, ein fremdes Gebäude und viele fremde Knöpfe...
Zwar bin ich mir sicher, dass mir dies alles in wenigen Tagen schon nicht mehr ganz so fremd sein wird, bis dahin jedoch heisst es: Kopf über Wasser halten und üben, üben, üben...
...solange bis ich irgendwann das kühle Nass um mich herum geniessen kann und hoffentlich dann nicht erblicke, dass das Becken voller böser Haie ist ☺.
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ADIEU FREUNDE

Carla, Leonard, Nico, Robbie, Frank... – ihnen allen (etwa 30 an der Zahl) sage ich für lange Zeit ADIEU! Diese schmerzliche Erkenntnis überkam mich gestern im Hallenbad. Unerwartet schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich all diese treuen Freunde auf einen Schlag verliere. Sie, die mich so selten versetzt hatten - ausser natürlich an Feiertagen oder wegen Fuss- oder Handballspielen. Lange, sehr lange, werde ich sie nicht mehr sehen...
Fast 10 Jahre waren sie mir treue Begleiter an Werktagen. Ob ich krank war, frei oder einfach nur früh Feierabend hatte - sie waren Teil meines Alltages. Sie liessen mich nach einem Blick auf die Uhr aus der Migros nach Hause hetzen oder (in sehr seltenen Fällen ;)) gar einen früheren Zug nach Hause nehmen; für sie liess ich auch schon mal das Telefon ins Leere klingeln oder eine Verabredung 10 Minuten auf mich warten: Meine Freunde von 17.55/ Verbotene Liebe & 18.25/Marienhof!
Bei meiner neuen Arbeitsstelle, die ich nächsten Freitag antrete, fällt die Zeit mit meinen Freunden mitten in die Arbeitszeit. Natürlich hat dies auch seine positive Seite: Die Zeit die ich bisher damit verbrachte meinen Freundinnen und Freunden bei ihrem Leben in den Kulissenstadt zuzugucken ist ab sofort produktiv. Das heisst, dass Zeit in der ich sowieso nichts gemacht hätte auf einmal bezahlt wird...
So gesehen, gewinne ich sie schliesslich in Form von Freizeit ohne Sendungsdruck zurück und das hat schon was!
Ausserdem: Realistisch gesehen werde ich meine unzähligen 5 cm grossen Freundinnen und Freunde von der ARD wohl keine einzige Sekunde vermissen! Also: Tschau Carla, Leondard, Nico, Robbie, Frank...
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HIRNGESCHICHTEN

Die tägliche, immense Informationsflut lässt uns zu Info-Junkies werden. Ich zum Beispiel kann kaum mehr sein, ohne ständig aufzusaugen, ohne Hirnnahrung, ohne Kopf-Stoff... So ist es für mich denn eine ziemlich üble Situation, ohne jeglichen Lesestoff im Zug zu sitzen und mehr als 10 Minuten zu fahren. Gestern ist dieser Fall eingetroffen. Das Buch in der Handtasche war ausgelesen, die Zeitung von gestern, die Agenda hatte ich im Büro liegengelassen – kein Kopf-Stoff weit und breit. Wie ein Junkie quälte ich mich deshalb durch den Zug und schnüffelte nach „heutes“ oder „20minutens“, welche die Putzmänner übersehen hatten (oder nicht einsacken konnten weil sie jemand zum Füsse-Hochlagern brauchte). Als mein gieriges Auge nicht einmal ein aufgehängtes „VIA“ fand und ich schon begann unter der Kappe zu schwitzen, disponierte ich um... schliesslich ist das Menschliche Hirn riesig und der ganze Synapsenmüll (so sagt mein Mitarbeiter), der einem Nachts beim träumen heimsucht, sollte doch auch tagsüber zugänglich gemacht werden können...!
Experiment:
Dein Hirn erzählt Dir eine Geschichte. Beginne mit einem alltäglichen Gegenstand und spinne mit Assoziationen aus Deinem Hirn eine Geschichte oder Informationsansammlung weiter. Dabei können Gegenstände, Gefühle, Ideen, Gespräche und Menschen vorkommen... Wichtig dabei ist lediglich keine Pausen zu machen, immer den nächstbesten Gedanken aufzuschnappen, nicht zu überlegen und das Hirn am Vorausdenken zu hindern. Passiert Letzteres muss umgehend ein anderer Gedankengang eingeschlagen werden. Die letzte Regel: nimm Dir einen physischen Zielort vor, z.B. den Bahnhof Bern, damit du mit der Geschichte irgendwann zu einem Ende kommst...

Die Hirngeschichten die ich bis jetzt erlebt habe sind unglaublich! Du wirst staunen, lieber Leser, was Deine Hirnzellen Dir zu sagen haben. Vorhin auf dem Heimweg kam mir übrigens aus der verschlungensten, hintersten Ecke meiner Gedanken die Idee, dass ich unbedingt noch Kaffe kaufen muss und deshalb eine Station früher aus dem Tram steigen sollte...

Ps: Mund zuklappen nicht vergessen und bitte die Lippen nicht bewegen...vor allem wenn Du mit jemandem das Abteil teilst ☺
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DIE KEHRSEITE DES SEHENS

Ja, tatsächlich: Es ist mir „wie Schuppen von den Augen gefallen“ - gestern war der Tag, an dem ich die Welt mit anderen Augen zu sehen begann: Ich holte meine lang erwartete erste Brille ab.
Meine Sehschwäche haben alle rund um mich Jahre vor mir festgestellt (Schriftgrösse 14, bei 120% und zusammengekniffene Augen sind ein deutliches Indiz für die Notwendigkeit einer Brille).
Der Weg zum tatsächlichen Brillenbesitz jedoch war steinig. Was muss man denn als Laie dafür tun? Ich hatte keine Ahnung. Die Brillenbesitzer sprachen allesamt in Rätseln von ihren unterschiedlichen Dioptrien, die Brillenlosen hatten keine Ahnung oder sagten einheitlich „ach ja, ich sollet auch schon lange...“.
Ich wählte deshalb den Weg des geringsten Widerstandes und liess ich mich von der Werbung leiten (Wenn du noch mal zurückkönntest, würdest du etwas anders machen? Ja, ich würde von Anfang an meine Brille bei XX kaufen) ging in die nächste XX-Filiale, liess mir zur ersten Brille gratulieren und umgehend eine entsprechende anfertigen.
Gestern war dann also der grosse Tag: Per SMS wurde mir mitgeteilt: „Ihre Bestellung 05600 0251 000 55 0 ist abholbereit...“  - ich folgte dem Befehl und erwartete mit Freuden, was die mir bekannten Brillenträger  prophezeit hatten. Nämlich, dass ich die Welt fortan völlig neu erleben würde. Intensivere Farben, überwältigende Kontraste, hübschere Mitmenschen...

Dass dieser neu gewonnene Durchblick aber auch seine Kehrseite hat, hat mir die Gilde der Brillenbesitzer leider verschwiegen.
Das Erste, was mein "neues" Auge erspähte war nämlich eine Schuppe auf der Schulter der Frau Fielmann. Eine Stunde später dann schwarze Haare auf einem weissen Jackenkragen, Falten in den müden Gesichtern meiner Mitmenschen...
Der Höhepunkt erreichte mein Trip in die Sehschärfe“ auf dem Fahrrad. Durch die Tatsache, dass ich seit langem wieder einmal den Boden unter dem Rad wahrnahm kam ich mir irgendwie zusammengequetscht vor, wie eine Zwergin auf einem Zwergenvelo. Im Moment wünsche ich mir nichts sehnlicher als wieder mit zusammengekniffenen Augen die Karte im Tibits zu studieren. Aber eben, wenn die Brille schon gepostet ist...
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