Ein klassischer Grund, das zarte Band einer Freundschaft zu zerschneiden: Das Gegenüber signalisiert einem, dass man nur noch die zweite Geige spielt in seinen Plänen. Eifersucht auf die vermutete Erste, Sehnsucht nach einem höheren Rang und Ehrgeiz machen sich augenblicklich breit, wenn die eigene Position hinter die eines anderen zurückgestuft wird.
Eigentlich ergibt diese Reaktion (in Beziehungen ausserhalb der Partnerschaft) jedoch überhaupt gar keinen Sinn. Das Bild hinkt und zieht falsche Gefühle nach sich: Erstens sind wir in den meisten Fälle selber Schuld an der Zurückstufung, z.B weil wir mit dem Gegenüber genau das Selbe getan haben oder ganz einfach weil wir zu wenig Anstrengung unternommen haben, erste Geige zu bleiben. Zweitens ist überhaupt gar nicht klar, woher die zweite Geige im zwischenmenschlichen Bereich einen so schlechten Ruf hat (das zweite Kind einer Familie oder das zweite Bier am Festival haben es doch auch nicht). Drittens und wichtigstens bringt die Position der ersten Geige oftmals unliebsame Verpflichtungen mit sich, über die man sich denn auch mal ganz schön nerven kann.
Ein klassischer Fall von: Festestellen, Aufräumen, Freifühlen - FAF.
Ich denke, Sie werden feststellen, dass es in Ihrem Leben so manche Beziehung gibt, bei der Sie den völlig unsinnigen oder der Vergangenheit angehörenden Anspruch an eine erste Position haben. Treten Sie doch versuchsweise einmal freiwillig eine Reihe zurück, machen Sie Platz in der Vordersten Reihe und fühlen Sie sich angenehm, wohl, erleichtert. Völlig frei von Verpflichtungen. Ein wunderbares Gefühl, allein durch Umdenken hingezaubert...
Ps: Dabei stets brav aufpassen, das Sie in mindestens einem Konzert Gelegenheit haben, erset Geige spiezu spielen...
... und stellen Sie sich folgende Szene vor:
Zuerst einmal sind sie eine Frau (sonst funktionierts nicht). Sie sitzen erschöpft auf einem weichen Sessel, gekleidet sind Sie mit einem mittelkurzen Rock der um die Brust ein bisschen allzu weit ausgeschnitten ist (ein Detail, das Sie morgens bei der Kleiderwahl nicht bemerkt und den Tag im Büro mit ein bisschen Zupfen und geradem Rücken ganz gut über die Bühne gebracht haben).
Weiter in der Situation: Ihnen gegenüber stehen mit nur einem knappen Meter Abstand zwei weitere weiche Sessel, neben ihnen (ohne den geringsten Abstand) noch einer.
Nach kurzer Zeit werden die drei Sessel von drei Männern mittleren Alters besetzt und es kommt Bewegung in die Geschichte: Ihr Visavis guckt sage und schreibe 56 Minuten lang in ihren zu weiten Ausschnitt, ihr Schrägvisavis fängt bei jeder Gelegenheit ihren Blick auf und lächelt ermutigend (?) und das Objekt neben Ihnen grunzt, schnauft und kratzt sich ohne Ende und berührt dabei mit seinem (feuchten?!?!) Bein ununterbrochen ihr angestrengt nach rechts gehaltenes Knie.
Warum Sie trotzdem eine geschlagene Stunde sitzen bleiben? – Ganz einfach: der Freitags-Feierabendzug ist „bumsvoll“ und die Alternative vor dem stinkenden WC die Strecke Zürich-Bern hinter sich zu bringen ist in etwa adäquat schlimm... - oder nicht?
ohne Worte...

oder doch: Es war super, merci vielmal (auch denen, die beim grossen Regen geflüchtet sind :))
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Ich hatte mir ehrlich kein allzu hohes Ziel gesteckt an diesem Abend. Es musste nicht einmal die Migros sein. Nein, auch der Bücherladen links von der dritten Aufwärtstreppe oder die Bäckerei mit dem komischen Eingang rechts von der blauen Säule, hätten es getan. Aber leider: Fehlanzeige, einmal mehr fand ich keinen der gesuchten Standorte und musste frustriert auf den Zug rennen.
Dass ich seit meiner Geburt an einem schlecht ausgebildeten Orientierungssinn leide, weiss ich heute; warum der Zürcher Hauptbahnhof für mich allerdings derart viele Hindernisse bereithält will mir einfach nicht in den Kopf (ICH BIN DOCH NICHT BLÖD?!?).
Die Treppen unter den Geleisen, die Läden, die Leute – alles verschiebt sich ständig in völlig willkürlicher Art und Weise, während ich gestresst hindurchhetze. Der HB ist für mich eine MATRIX mit Läden, Menschen, Treppen, Gängen, Bäckereien, Rolltreppen und Liften: Kaum habe ich mir einen Anhaltspunkt gemerkt, wechselt er heimtückisch seinen Standort, die Richtung oder das Aussehen und ich komme völlig unverhofft aus einer anderen Richtung dazu. Am schlimmsten ist die Migros, von der ich mittlerweile vermute, dass sie sechs Eingänge auf 3 Etagen hat und sich sogar noch in ihrem Inneren drin verschiebt - sei es auch nur um mich zu ärgern...
Aber eben, man sollte nicht immer gleich so viel verlangen. Ich sehe es jetzt erstmal positiv: Immerhin finde ich heute (nach 3 Monaten) schon die Shopville, wenn ich am HB aus der S-Bahn gespuckt werde!
Kalter Wind haucht mir ins Gesicht, es riecht eigentümlich, ich erlebe alles durch eine Scheibe, sehe graue Mäntel und schwarze Schirme. Draussen regnet es, ich nehme hier ein Räuspern und da ein Niesen war.
Das Ganze widerholt sich jeden Morgen um 08.24. Ich sitze im Zug nach Zürich und wache auf. Jeden Morgen der selbe Ablauf. Ich steige um 07.30 Uhr in Bern in den Zug, trinke meinen heissen Kaffe, lese die umliegenden Zeitungen und schaue zum Fenster raus. Bald einmal lege ich die Zeitungen weg und lehne den Kopf an die eiskalte Scheibe. Auf Höhe Olten schlafe ich ein um stets punkt 08.24 wieder aufzuwachen in Zürich Altstetten. Das Bild, das ich dann sehe und das Gefühl, das ich erlebe sind immer die selben: Als wäre ich auf einer Beerdigung. Ich weiss nicht wie ich diese Assoziation wieder loswerde. Vielleicht war ich auf zu vielen Beerdigungen bei Regen, vielleicht hat das komische Altstetten tatsächlich etwas Tristes an sich... - ich weiss es nicht.
ob ich allerdings tatsächlich von selber erwache oder ob es
Frau Weidanach ist, die mich weckt... ;)
[ Alltag ]
by rah
@ 01.04.2008 21:20 CEST
Ich wollte sie nicht kaufen. Ehrlich nicht. Doch dann (ziemlich überraschend) kam der Tag an dem ich mir einbildete, dass keine der anderen im Schrank zum Wetter vor der Tür passte. Ich stürmte ins nächste Geschäft und ergatterte mir eine: Eine kurze, schwarze modische 0-8-15-Lederjacke.
Eine, wie sie zur Zeit jede zweite Frau spazieren trägt. Eine, die heuer auch vor so manchem Männer-Kleiderschrank keinen Halt macht.
Auf der einen Seite lächelte ich stets über all die schwarzjackigen „Tussis“, die wie gleichgeschaltete Hühner mit ihren blöden Lederjacken durch die Stadt bummelten, auf der anderen Seite beneidete ich sie, denn sie sahen wirklich gut aus (ausser wenn ihnen der Speck zwischen der Lederjacke und der Miss-Sixty-Jeans hervordrückte). Und so wurde ich schliesslich schwach und habe zugelangt. (Zu meiner Verteidigung muss ich anfügen, dass ich die Jacke am nächsten Tag nicht retournieren konnte, da mir
mein kleines rotes Universum mitsamt dem Umtausch-Kassenzettel gestohlen wurde.)
Ich begann also zwangsläufig, das schwarze Teil zu tragen. Doch zu meinem eigenen grossen Erstaunen ist die Kehrseite der Jacken-Medaille glänzender als erwartet: Seit ich nämlich das erworbene Lederding spazierenführe werde ich täglich von irgendwem angesprochen. Ob im Zug, im Tram, im Geschäft oder auf der Strasse: Die Leute wollen mit mir ins Gespräch kommen. Die Wildfremdesten Leute lächeln, grüssen, nicken und gucken. Die neu gewonnene Anziehungskraft gipfelte gestern Abend darin, dass mir im Zug ein junger indischer Ingenieur den Hof machte mit den Worten: „I am single and look for a girlfriend“.
Tja, beinahe hätte ich ihm zur Antwort gegeben: "... dann kaufen Sie sich am besten eine schwarze Lederjacke."
Er sieht müde aus, irgendwie verloren, irgendwie nicht wie von dieser Stadt. UND: er funkelt mich mit böse verengten Augen an!
Liebend gerne würde er sich nämlich neben mich auf den flauschigen Sitz im Tram setzen, auf dem meine rote Tasche trohnt. Solange ich aber die obligate Höflichkeitsfloskel „ist dieser Platz noch frei?“ nicht aus seinem Mund höre, bleibt die Tasche wo sie ist und ich kassiere vom Mann ein ungemütliches Funkeln. In Zürich-Örlikon entkomme ich dem bösen Blick, wechsle vom Tram in den Zug, suche mir im überfüllten Waggon zwei Plätze für mich und meine Tasche und schalte ab. Kurz darauf, es ist wie verhext, kommt schnaufend und wütend der böse blickende Mann ins Abteil geschneit.
Er entdeckt erst meine Tasche, dann mich. Ein Augenblick der Stille tritt ein. Die erschöpften aber feindseeligen Gesichter fechten einen unerbittlichen Kampf aus: Wer kann den anderen böser angucken? Auf einmal jedoch platzt der Mann heraus und lacht: „You’re the girl from the tram! - das Mädchen vom Tram". Meine Gesichtsmuskeln lockern sich, das Eis ist gebrochen. Der böse Mann und ich lachen bis uns die Tränen kommen und beginnen ungezwungen zu plaudern. Er, ein Private-Banker mittleren Alters ist erst seit ein paar Tagen in der Schweiz, findet die Leute kühl und unfreundlich, arbeitet ohne Unterbruch und weiss nicht so recht wie er die nächsten 5 Jahre - so lange ist er nämlich voraussichtilich hier - überstehen soll.
Ich höre interessiert zu, lasse meine Vorurteile schmelzen, baue Sympathie auf und denke schliesslich: "Why not?" und sage schliesslich: "lets go and drink some beers somewhere!".
10 Minuten später stehe ich mit dem schnaufenden Amerikane im Zürcher HB, trinke ein grooosses Bier, und rede über Gott und die Welt. Vor allem über die Welt - DAS PURE LEBEN!
Wie ging das gleich noch einmal mit dieser Pyramide, der „pawlovschen“? Der Mensch braucht Sicherheit, Nahrung, Beziehungen etc.?
Nicht so wichtig. Gegeben sind diese Komponenten in der heutigen Gesellschaft durch die Faktoren Versicherung, Geld und liebe Mitmenschen. Ich bin, oder anders gesagt, der durchschnittliche Mensch in unseren Breitengraden ist also ziemlich gut ausgerüstet. Erstaunlich ist aber eigentlich, dass sich dies alles in der Regel – ein ganzes Universum – in ein rotes Quadrat von knapp 12 mal 14 Zentimeter Oberfläche pressen lässt: Ein rotes Lederportemonnaie voller Kärtli, Föteli, und Nötli.
Ebendieses Objekt habe ich vor drei Tagen achtlos auf einem Tablett in der Kantine meiner Firma liegengelassen. Zuletzt gesehen habe ich das Ding damals Mittags um 12.35, im rechten Augenwinkel, knapp hinter dem Rand meines Essenstabletts. Dann verschwand es irgendwie – und ist seither spurlos verschwunden.
Was das kleine rote Universum wirklich bedeutet, habe ich erst gemerkt, als es nicht mehr da war - nah dis nah prasselten die Probleme auf mich ein: Keine Postcard, kein Geld; kein Presseausweis, kein Einkommen und wenn alle gesammelten Visitenkärtli weg sind... usw.
Lange Rede kurzer Sinn: bis das kleine, rote Universum ersetzt ist, herrscht bei mir ziemliches
Pissnelkenwetter!
Ps: ein gelungenes Experiment mit Nervenkitzelcharakter ist übrigens: sechs mal per SBB die Strecke Zürich-Bern zurücklegen ohne Ticket, ohne Geld und ohne Ausweis.
Froschschenkelrhythmus mit den Beinen, Zieh-und-Stoss-Verrenkungen mit den Armen, beides gleichzeitig und dazu fast ohne zu atmen: Schwimmen lernen!
Dies ist, so erinnern sich wohl die meisten von uns zurück, kein einfaches Unterfangen. Es beinhaltet einen hochkomplizierten Bewegungsablauf zu automatisieren, der erst dann in seiner Gänze funktioniert und seine Wirkung entfaltet, wenn er absolut korrekt ausgeführt wird.
Schwimmen lernen. Wer’s einmal erlickt hat kann dabei entspannen, kann das Wasser und die Kühle geniessen; wer’s dagegen erst erlernen muss fürchtet während des Übens um sein Überleben in dem fremden Element.
Ebenso ergeht es mir dieser Tage: Zwar erlerne ich nicht das Schwimmen dafür aber einen neuen Job. Das heisst, den alten Job in einem völlig fremden Gewässer: Fremde Programme, fremde Technik, ein fremdes Vokabular, fremde Abläufe, ein fremdes Gebäude und viele fremde Knöpfe...
Zwar bin ich mir sicher, dass mir dies alles in wenigen Tagen schon nicht mehr ganz so fremd sein wird, bis dahin jedoch heisst es: Kopf über Wasser halten und üben, üben, üben...
...solange bis ich irgendwann das kühle Nass um mich herum geniessen kann und hoffentlich dann nicht erblicke, dass das Becken voller böser Haie ist ☺.
Carla, Leonard, Nico, Robbie, Frank... – ihnen allen (etwa 30 an der Zahl) sage ich für lange Zeit ADIEU! Diese schmerzliche Erkenntnis überkam mich gestern im Hallenbad. Unerwartet schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass ich all diese treuen Freunde auf einen Schlag verliere. Sie, die mich so selten versetzt hatten - ausser natürlich an Feiertagen oder wegen Fuss- oder Handballspielen. Lange, sehr lange, werde ich sie nicht mehr sehen...
Fast 10 Jahre waren sie mir treue Begleiter an Werktagen. Ob ich krank war, frei oder einfach nur früh Feierabend hatte - sie waren Teil meines Alltages. Sie liessen mich nach einem Blick auf die Uhr aus der Migros nach Hause hetzen oder (in sehr seltenen Fällen ;)) gar einen früheren Zug nach Hause nehmen; für sie liess ich auch schon mal das Telefon ins Leere klingeln oder eine Verabredung 10 Minuten auf mich warten: Meine Freunde von 17.55/ Verbotene Liebe & 18.25/Marienhof!
Bei meiner neuen Arbeitsstelle, die ich nächsten Freitag antrete, fällt die Zeit mit meinen Freunden mitten in die Arbeitszeit. Natürlich hat dies auch seine positive Seite: Die Zeit die ich bisher damit verbrachte meinen Freundinnen und Freunden bei ihrem Leben in den Kulissenstadt zuzugucken ist ab sofort produktiv. Das heisst, dass Zeit in der ich sowieso nichts gemacht hätte auf einmal bezahlt wird...
So gesehen, gewinne ich sie schliesslich in Form von Freizeit ohne Sendungsdruck zurück und das hat schon was!
Ausserdem: Realistisch gesehen werde ich meine unzähligen 5 cm grossen Freundinnen und Freunde von der ARD wohl keine einzige Sekunde vermissen! Also: Tschau Carla, Leondard, Nico, Robbie, Frank...