Die Pendenzenliste auf dem Schreibtisch ist mehr als eine A4 Seite lang, 18 Punkte stehen da. Einer wichtiger als der andere. Abgebaut werden kann die Liste aber erst, wenn diejenige, die sich tagsüber parallel dazu in meinem Kopf gebildet hat, durchgeackert ist. Arbeit, die sozusagen noch vor der Arbeit erledigt werden muss – und das alles in der Freizeit...Es gibt Tage, da weiss ich vor lauter Zu-erledigenden-Dingen kaum wo mir der Kopf steht. Gestern Abend war so ein Moment. Doch er nahm eine überraschende Wende...
Um rasch eine Einzahlung am Computer zu machen (die oberste Kopf-Pendenz), kramte ich in meiner Tasche nach dem Portemonnaie und... - das rote Universum war weg! Verschwunden! Mit fahrigen Bewegungen tastete ich mich durch Mäntel, Taschen, über Sofa und Stühle unter dem Tisch hindurch – von Zimmer zu Zimmer. Im Kopf ging ich derweil mehr oder weniger systematisch sämtliche Orte durch, an denen ich das rote Universum zuletzt gehabt haben könnte. Beim Mittagessen in Spiez, soviel stand fest, hatte ich es noch. Danach Blackout. Drei Taschen hatte ich dabei, an 4 Orten war ich.... So langsam wurden jetzt die Wo- und Wann-Gedanken durch Gesichter mit Tatverdächtigen ersetzt. Hat’s der Junkie geklaut? Die Serviertochter im Restaurant? Ein zufälliger Passant? Die feigen Diebstahl-Gedanken wiederum wurden rasch einmal durch systematischere Wie-weiter-Gedanken ersetzt: Was wenn es tatsächlich weg ist? Karten erneuern, Kreditkarte sperren, Führerschein bestellen, GA zum zweiten mal nachbestellen (geht gar nicht?!?).... Mitten in diesem Horrorszenario ertastete ich es auf einmal: Auf der hinteren Innenseite meiner Haupttasche. Als mir klar wurde, wieviel Zeit die Wiederherstellung des Status Quo gekostet hätte, wäre das Ding tatsächlich weg gewesen, kamen mir meine beiden Pendenzenlisten auf einmal lächerlich vor. Sie wären um Stunden, manche Punkte gar um Tage in den Hintergrund gerückt. Ergo: Ich hatte Zeit gewonnen. Genüsslich legte ich mich deshlab vor den Fernseher und... tatsächlich: Carlo Janka holte Gold!
Ich auf einer eisernen Rutschbahn. Ich beim Werfen einer roten Boccia-Kugel. Ich mit einer Glacé am Strand von irgendwo und ich im loddeligen Rosa-Badekleid an einem anderen Strand im Nirgendwo...
Solche Ich-Bilder formen meine Erinnerung an „Früher“. Sie haften in meinem Kopf weil ich sie über die letzten Jahre hinweg immer wieder angeschaut und mich an die Szenen drumherum erinnert habe. Deutlicher als an alles andere, was in meinem Leben geschehen ist. Es sind Fotos. Meist von meinen Eltern oder meiner Schwester geschossen. Ob Winter- oder Sommerbilder, haben sie alle eines gemeinsam: Sie wurden an den so genannten „Höhepunkten des Jahres“ geknipst. Ein buntes Sammelsurium an Lebensbildern, das an meinem geistigen Auge vorbeizieht, wenn ich mal das zeitliche segne.... - oder eben gerade nicht? Wären dies vielleicht ganz andere Bilder? Bilder, die gar nie aufgenommen wurden? Bilder, die meinen tatsächlichen Alltag zwischen all den abgebildeten Höhepunkten abbilden? Manchmal, wenn man ganz genau hinsieht, entdeckt man sie im Kontext der HÖHEPUNKTE-BILDER: Die Migros im Hintergrund, das Wohnzimmer, in dem die Tannenbaumszene stattfindet, das Auto auf dem Parkplatz... Doch sonst stehen unsere ALLTAGSBILDER unter einer Art Foto-Schutz. Kein Fotoapparat würde je ein solches zum Aufnehmen würdig befinden. Sie sind zu normal und genau das ist ein Fehler.
Experiment: Es ist an der Zeit, konkrete Erinnerungen für Morgen vorzubereiten. Das beste Mittel dazu ist das Handy. Mit ihm lassen sich die ALLTAGSBILDER ins rechte Licht rücken, ohne, dass das ganze Umfeld denkt, man sei verrückt. Im Foto-Ordner abgelegt unter "ALLTAGSBILDER", bin ich mir sicher, dass genau das die Bilder sind, die sie und ihre Nachkommen in 20 Jahren am brennendsten interessieren. Keiner wird dazu je sagen: Ach und das ist wieder „Im Bad von nirgendwo“.
Sommer 1987. Ich bin neun Jahre alt und zeichne einen Bären, der auf einer winzigen Wolke hockt und auf eine vierköpfige Strichmann-Familie runterguckt. Die Zeichnen-Viertelstunde ist für mich das Highlight des sonntagmorgendlichen Sonntagsschulbesuches. Die Sonntagsschullehrerin zeigt sich verblüfft über mein Werk und meint, ich solle noch einmal von vorne beginnen - diesmal mit einer „schöneren“ Zeichnung...
Diese Szene, die in meiner Biografie weit zurück liegt ist mir heute auf dem Nachhauseweg durch den Kopf gegangen. Einer dieser wertvollen Gedankenblitze aus der Kindheit.
Und heute bin ICH verblüfft.
Erstens darüber, dass die Sonntagsschullehrerin damals überhaupt von uns Kindern verlangt hat, dass wir Gott zeichnen (du sollst dir kein Bildnis machen – oder wie war das?).
Und zweitens darüber, dass ich Anstelle von Gott einen Bären gezeichnet, ja die zwei Dinge ganz einfach miteinander verwechselt habe. Nicht, dass sie jetzt denken, ich sei ungläubig aufgewachsen. Ganz im Gegenteil. Die Sonntagsschulbesuche sind der beste Beweis dafür. Aber meine grosse Schwester besass damals einen Stoffbären. Der war so riesig wie ich mit fünf Jahren und er trug den Namen „Gottlieb“. So einfach ist das. Für mich liessen sich die Begriffe „der liebe Gott“ und „der Gott lieb“ nie ganz voneinander trennen und so ist das Bildnis vom Allmächtigen, das man sich ja nicht machen soll, bei mir seit frühester Kindheit ein ganz klares.
Sinnigerweise ist der Kindheits-Blitz genau dann in meinem Kopf eingeschlagen, als ich mit Bus Nummer 12 den Bärengraben passierte...
Bisher kannte ich sie eigentlich nur aus dem Lied „drei Kinesen mit dem Kontrabass“. Dabei habe ich mir, seit ich denken kann, immer drei ganz kleine, lustige Menschen vorgestellt, die „da auf der Strasse was spielten“. Andere Chinesen, zum Beispiel die, die täglich Bärengraben und Zytglogge bevölkern (oder sind das alles Japaner?) wollten so gar nicht in dieses Bild passen. Die richtigen Chinesen, die mit dem Kontrabass, habe ich mir faszinierend, leichtfüssig und immerfröhlich vorgestellt...
Jetzt hab ich welche. Genau solche. Zwei Stück um genau zu sein. Ein Pärchen. Wie sie heissen weiss ich nicht, ihre Natelnummer kenne ich auch nicht. Aber ich wohne mit ihnen in einer Art WG in Zürich-Oerlikon. Und sie sind ein absoluter Glücksfall... Zuerst einmal sind es Abend-Duscher – ich bin Morgen-Duscher, das gibt keine Kollisionen im Badezimmer. Des weiteren sind sie immer gut gelaunt und pfeifen meist leise vor sich hin. Heute haben sie mir erzählt, sie würden bald einen Tanzkurs machen (kommt fast an den Kontrabass hin), sie haben mich gefragt, was Cannabis sei und sie lösen etliche meiner Lebensprobleme gleichzeitig. So hatte ich beispielsweise seit langem das Bedürfnis, wieder mehr englisch zu reden – mit ihnen kann ich mich nur auf englisch unterhalten. Des Weiteren sind die beiden Informatiker und können all meine Computerfragen beantworten. Ausserdem lerne ich neue Fleischsorten kennen, erfahre alles über Shanghai und, sozusagen als Krönung hat sich letzten Woche auch noch herausgestellt, dass die beiden Badminton spielen. Richtig gut Badminton spielen. Genau das sind meine Kinesen aus der Kindheit. Vergessen sind die Bärengraben-eventuell-auch-Japaner-Gaffer.
Kontrabass spielen meine Kinesen zwar nicht, dafür haben wir auch nicht jeden Abend die Polizei im Haus... :)
Sie leben ganz nah bei mir. Also sie leben nicht wirklich, aber sie sind ganz in meiner Nähe. Würden Sie leben, könnte ich nach ihnen rufen, sie kämen angetanzt, und ich hätte drei Probleme weniger. Die Rede ist von meinen verlorenen drei Lieblingsdingen: Mein knallrotes Portemonnaie, meine signalrote Agenda und das wertvollste im Trio: Meine Geburtstaguhr (schwarz), die ich zum 30. Geburtstag von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Das Trio ist spurlos verschwunden. Nicht so verschwunden, dass ich mich beispielsweise daran erinnern könnte, eins der drei im Zug benutzt und nicht korrekt verstaut zu haben. Alle drei sind ganz einfach weg. Das Portemonnaie ist wahrscheinlich am „wegsten“, es wurde eventuell sogar geklaut. Die anderen beiden aber liegen höchstwahrscheinlich in meiner unmittelbaren Umgebung und warten darauf, gefunden zu werden. Nur wie?
Als "computerisierter" Mensch schiesst mir, sobald ich darüber nachdenke, jeweils für eine Hundertstelsekunde die Allzwecklösung CTRL F durch den Kopf - der Impuls, die „Suchfunktion“ des Computers zu nutzen. Warum, frage ich mich dann, gibt es im richtigen Leben nichts Adäquates? Wir haben es hier mit einer Erfindung zu tun, welche die virtuelle der realen Welt voraushat. In der wirklichen Welt nämlich ist, wer die virtuelle Suche gewohnt ist, ziemlich verloren. CTRL F - und was ich suche zeigt sich mir, sofern auf der Festplatte vorhanden. So einfach geht das.
So habe ich denn gestern beschlossen: Was der Rechner kann, kann ich auch. Sprich: Millimeter für Millimeter einer betroffenen Festplatte, in dem Fall also unserer Wohnung, absuchen. Ungeachtet aller „hier kann es unmöglich sein“ Störgedanken, die menschlich aber nicht virtuell sind. Das physische CTRL F begann um 07.55 Uhr im Schlafzimmer: Von der Schrankoberfläche ausgehend (?)wurde der Raum lückenlos (auf Händen und Knien) mit den Augen abgetastet. Der Erfolg trat bereits um 08.02 Uhr ein: In einem unmöglichen Winkel unterhinterzwischen dem Bett lag die Uhr. Ohne mein neues Computerhirn wäre sie dort wohl verrottet.
Ps: Vielleicht haben meine Eltern (die noch im nicht-digitalen Zeitalter gross geworden sind) doch Recht: Ordnung ist das halbe Leben.
Gross wie mein Schlafzimmer, hell ausgeleuchtet bis in den hintersten Winkel, Meister-Propper-Geruch, der sanft die Nase hochsteigt. Stünde eine Maklerin neben mir, ich wähnte mich bei der Besichtigung einer geräumigen Ein-Zimmer-Wohnung. Doch der Fall liegt anders. Das beschriebene Objekt ist eine öffentliche Toilette. Nicht der Eingang, wo das Waschbecken steht, sondern der Raum mit dem Klo an sich. Die öffentliche Toilette des Bahnhofs Oerlikon bei Zürich.
Kennen gelernt habe ich sie gestern Abend. Da ich in der Feierabend-S-Bahn wenig Aussicht auf ein Durchkommen bis zum WC hatte, suchte ich nach einer Pinkel-Möglichkeit am Bahnhof. Von aussen sah die öffentliche Toilette ganz normal aus und Eingangs ärgerte ich mich noch über den Wucherpreis von einem Franken. Doch der Ärger machte bald der Verblüffung Platz. Nach Einwurf des Geldstücks öffnete sich geräuschlos ein vollautomatisches Eingangstor. Automatisch schloss sich dasselbe wieder nach dem Eintreten. Die 6 Schritte zur Schüssel legte ich dann zwar ein wenig verunsichert zurück (ich traue Automatik auf Toiletten grundsätzlich nicht... Was wenn jemand anders auch einen 1-Fränkler einschiebt und ich auf einmal mitten im Feierabendvolk sitze??), das professionelle Erscheinungsbild der gesamten Anlage aber liess mich Vertrauen schöpfen. Ich löste entspannt Urin, stand auf, wusch mir vollautomatisch mit automatischer Seife die Hände und wollte die automatische Spülung betätigen. Doch weder fand ich einen Knopf, noch merkte die Halle automatisch, dass ich fertig war. Ich räusperte vernehmlich. Nichts. Ich rief in halblautem Befehlston „fertig“. Wieder nichts. Argwöhnisch suchten meine Augen Spritzenkasten, Abfalltrenn(!)behälter und Silberarmaturen ab. Kein Knopf.... „Die perfekte Halle hat einen Fehler!“, dachte ich vergnügt und war irgendwie beruhigt.
Den Urin in der Schüssel stehen lassend, mit einem leichten Anflug von Mitleid für den vergesslichen Architekten der Halle, stellte ich mich in den Türrahmen und liess mich vollautomatisch ausspucken. „Auf Wiedersehen“ schien die Halle noch zu flüstern. Erst nach ein paar Schritten dämmerte mir... das "Flush"-Geräusch, das wie „Auf Wiedersehen“-Geflüster geklungen hatte, war in Wirklichkeit eine hyperautomatische Spülung!
Ps. Mich würde nicht wundern, wenn schon bald eine Familie oder ein junges Studentenpärchen in „der Halle“ eingezogen wären.... Ich selbst habe diese Option auch kurz in Betracht gezogen ?
Ich unterscheide beim menschlichen Verhalten zwei Grundgruppen: Z, die Zeiger und A, die Angucker.
Z-Menschen produzieren. Sie basteln, malen, organisieren Feste, sie bloggen ;), kochen für Gruppen und meiden öffentliche Vorträge ohne Sitzgelegenheit. Ihnen gegenüber stehen die A-Menschen. Sie konsumieren. Sie besuchen Ausstellungen, lesen Zeitschriften, geniessen Einladungen, sehen fern, kaufen lustige Ansichtskarten zum aufstellen, hören Radio und erfreuen sich am Gesehenen und Gehörten.
Natürlich gibt es auch die Buchstaben-Menschen dazwischen. Doch reihen sich die meisten entweder näher bei A oder näher bei Z ein (ausser natürlich die N- und M-Menschen).
Zusammen ergänzen sich all die Buchstaben perfekt. Sie bilden einen Kreislauf, fast schon ein Perpetuum Mobile. Ohne die Existenz der Pole würde sich in der Gesellschaft die totale Leere ausbreiten.
Ich persönlich liege, wie es sich für eine Bloggerin wohl gehört, recht nah beim Z und ich kann diese Neigung voll ausleben. Doch genau das wird wohl irgendwann ein Ende haben wird. Spätestens dann, wenn ich 92 Jahre alt bin...
Aufgegangen ist mir das beim Besuch bei meiner Grosmutter vergangenen Samstag. Wie immer zeigte ich ihr Fotos von all meinen Abenteuern. Ich erzählte ihr von Glück- und Pechmomenten und liess sie durch ihre Lesebrille Handybilder von der Olympiade angucken. Sie lächelte und freute sich über meine Anwesenheit. "Ein klassischer A-Typ", ging es mir durch den Kopf. Doch dieser Gedanke machte mich stutzig. Genetisch wäre es doch nahe liegend, wenn meine Grosmutter eher Z als A wäre. Schliesslich war sie früher Scheiderin und leidenschaftliche Bastlerin....
Fallen alte Menschen in unserer Gesellschaft vielleicht automatisch und unfreiwillig in die Kategorie A, wo sie dann Fern sehen, Radio hören und sich still halten. Ganz einfach, weil ihnen keiner zuhört, keiner sich anschaut was sie tun, keiner sich für ihre kleine Welt interessiert...?
Das Experiment:
Ich machte mich also daran, den wahren Buchstaben meiner Grosmutter zu ergründen und fragte sie nach Dingen aus ihrem Leben. Und siehe da, augenblicklich brach der Z aus ihr heraus. Binnen Sekunden war ich inmitten von selbstgemalten Brettli, gestickten Tischtüchern – in der Hand ein Heftli mit einer mit Leuchtstift markierten Passage, die ich unbedingt lesen musste. Mein Rucksack füllte sich mit aufbewahrten „Geschenkbändeli“ und bestellter Tupperware.
Artig schlüpfte ich für einen ganzen Nachmittag in die mir ungewohnte A-Rolle und liess meine Grosmutter aufblühen – ein toller Tag.
ps: Nachdem ich den wahren Buchstaben meiner Grosmutter kenne, bin ich selber höchstens noch ein v oder w :)...
Tasche und Schirm links, Plastiksack und Zehnernote rechts. Es ist 07.25 Uhr morgens, ich stehe im Bahnhof am Migros-Takeaway-Schalter und will mir für die Zugfahrt einen Kaffee holen. Da passiert das Unglaubliche, das eigentlich immer passiert: Just als ich den Mund öffne um zu bestellen, übertönt mich ein MANN hinter mir mit einer Cappuccino-Bestellung. Der andere MANN, der hinter dem Tresen mit dem grünen Schurz, hält nichts von Fairness und bedient den, der am lautesten Schreit zuerst – den MANN rechts von mir. Ich schlucke den Ärger runter, verlagere das Gewicht meiner Tasche auf die andere Schulter und warte geduldig.
Auf dem Perron ahne ich so langsam, dass wohl ein ziemlicher Pissnelkentag angebrochen ist: Urplötzlich stehe ich mitten in einem Rudel uniformierter Militärburschen. Es riecht nach Salami und alten Socken und ich komme mir vor, als würde ich mich im Bikini durch die schwitzenden Körper walzen (warum Männer in Militäruniformen Frauen grundsätzlich blöd anglotzen werde ich nie verstehen). Natürlich bin ich nun zu spät für einen guten Platz. Immerhin erwische ich einen. Warum dieser frei ist, wird mir klar, als ich sitze: Der MANN visavis sieht seltsam aus. Ovomaltine-Hut, Hosen bis unter die Brustwarzen und weisse Socken in Sandalen. Kein Typ vor dem man sich frühmorgens fürchten müsste aber dennoch.... Immerhin zettelt er kein Gespräch an. Im Gegenteil. Er fummelt ununterbrochen an seinem Handy herum, das er ganz nahe an sein Gesicht hält. Dann der "Gipfel": Der MANN schiesst ein Fotos von mir, steckt das Handy in seine orange Tasche und blickt unbeteiligt zum Fenster raus. Ich reagiere äusserlich nicht einmal darauf. Ich mag nicht mehr.
Als Krönung des Pissnelkenmorgens vernehme ich auf einmal, dass sich ein süsslich-salziger Geruch im Abteil breit macht. Der MANN diagonal von mir hält einen Tomme-Käse in Händen, das Papier wie eine Banane heruntergeschält, und isst ihn. Den ganzen. Morgens um 07.40! Dass der Mann neben mir die Armlehne zwischen uns vollkommen für sich beansprucht muss ich wohl kaum erwähnen...
Ich versuche die MÄNNER um mich herum auszublenden und blättere in meiner Zeitung. Da fällt mir auf... - MÄNNER regieren die Welt. Also sind sie doch nicht so übel.... Oder ist das jetzt eine Fehlüberlegung :)?
Vielen lieben Dank an alle, die auch in diesem Jahr am Traditionsevent teilgenommen und eifrig um den Pokal gekämpft haben. Leider gibt es immer nur 3 Gewinner/innen...
In der Zwischenzeit kann ich ja schon mal... – was eigentlich? Was tut ein Mensch in seiner Zwischenzeit? Zwischen kleinen Dingen verhält es sich vergleichsweise einfach: Da gibt es Zimmer aufzuräumen, Telefonate zu erledigen, Apéros zu essen, etc. Was aber sind die Möglichkeiten, wenn Mensch zwischen grösseren Dingen steht?
Ich bin zurzeit in einer solchen Situation. Beruflich gesehen. Das Alte ist noch nicht beendet, das Neue bereits fixiert, die Zwischenzeit angebrochen. Eigentlich bliebe jetzt, bis hin zum Neuen, ja alles beim Alten. Doch dem ist erfahrungsgemäß nicht so. Allein durch die Existenz des Neuen, beginnt das Alte zu bröckeln. Es verliert an Energie, Spannkraft, Substanz und Kontur. Es wird fremd und es wird immer schwieriger zu fassen und zu bändigen.
Die Hauptaufgaben in einer derartigen Zwischenzeit sind wohl das Aufräumen, Abschliessen und das Im-Griff-Behalten der Dinge.
Und genau das habe ich vor wenigen Tagen in Angriff genommen. Dabei habe ich für einmal, anstatt der Elektronik, dem Papier den Vorrang gegeben. Meine rote Moleskine-Agenda sollte das Alte regeln, bevor das Neue da ist. Deadlines, Anfänge und Abschlüsse, Gespräche und Abschiede - Alles habe ich fein säuberlich auf die weissen Plätze auf dem Papier verteilt. Die dazugehörigen Zetteli und Notizen sind nach Beendigung der guten Tat selbstverständlich im Papierkorb gelandet. Die Zwischenzeit war organisiert.
Doch dann, der Strich durch die Rechnung: Meine rote Moleskine-Agenda wurde entführt. Spurlos verschwunden ist sie. Weggekommen, just an dem Tag, an dem die papierne Planung abgeschlossen war. Weder SBB-Fundbüro noch geschäftsinterner Marktplatz konnten helfen. Zusammen mit all meinen Deadlines, mit allen Abschlüssen, Gesprächen und noch zu treffenden Menschen und Verpflichtungen hat sich meine schöne rote Moleskine-Agenda aus dem Staub gemacht.
Pissnelke oder Schickfall? Ich deute es als Wink, meine Zwischenzeit für einmal gerade anders herum anzupacken als geplant: Ich starte heute mein Leben „in between“ - sorgenfrei und flatterhaft.