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LIEBLINGE AUSSETZEN

Dass der Gedacht-Getan-Tag auf Resonanz gestossen ist, freut mich, MERCI!
Experimente mit der unmittelbaren Umwelt durchzuführen und dabei über den eigenen Schatten zu springen, wird viel zu selten umgesetzt. Vielleicht, weil die Menschen nicht daran denken, vielleicht weil sie den Sinn dahinter nicht sehen. Aber den gibt es. Garantiert!

Ein anderes Beispiel...
Wie oft habe ich mich schon gefragt, wie ich von aussen eingeordnet werde. Was denkt der Greis im Tram über mich, was die Kassierin in der Migros? Indizien gibt es: Sie schütteln den Kopf, beachten mich nicht, lächeln, verlieben sich... - die Möglichkeiten sind unendlich. Kein Wunder, dass (anhand dieser Regungen) kein vernünftiges Alltags-Fremd-Selbst-Bild entstsehen kann – um diesem näher zu kommen, kann ich die Gedacht-Getan-Tag-Methode nicht anwenden - sie wäre eine Belästigung der Umwelt. Also muss es anders gehen: LIEBLINGE AUSSETZEN, heisst der Zauberspruch.
Gestern abend (ich musste einmal mehr aufs Tram warten) habe ich spontan meine Tasche (die mir irgendwie ähnlich ist) und mir als Gegenstand ans Herz gewachsen ist, kaltblütig ausgesetzt. Mitten in der Stadt. Das heisst, ich habe sie auf die Bank gesetzt und mich davon entfernt. Aus Distanz betrachtet, so ganz allein zwischen den anderen Wartenden, begann mein Rosa-Blick zu bröckeln. Sie glänzte nicht, sah schäbig, klein und faltig aus (na ja es hat in Strömen geregnet ;))... und doch hat sie recht selbstbewusst und trotzig gewirkt. Hmmm... klingt verschroben, aber es entstand tatsächlich ein Bild davon, wie der Mann neben der Tasche mich als Zeitgenossin warhnimmt.
Ich hatte in diesen paar Minuten mehr Einblick in die Köpfe der Wartenden, als wenn ich sie angesprochen hätte...
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GEDACHT-GETAN-TAG

Ich warte auf’s Tram und raff mich endlich auf: Es ist bereits 16 Uhr, der Tag schon fast vorüber: „Hey, ihre Schuhe gefallen mir“, sage ich zur Passantin. Lächeln und ein kurzes Gespräch über die Farbe Rot folgen. Ich sitze im Tram, die erste Hürde ist genommen: „Wow die Frisur steht dir“, spreche ich den Teenager neben mir an. Danke, ich war grad beim Coiffeur, die perplexe (leicht errötend) Antwort...
Heute ist mein 12. Gedacht-Getan-Tag. Seit einem Jahr gibt’s diesen einmal pro Monat. Der Tag dient sozusagen dem Schutz „verlorener positiver Gedanken“. Das heisst, dass an diesem Tag Gedanken, die mit Menschen in meiner unmittelbaren physischen Umgebung zu tun haben und positiver Natur sind, spontan ausgesprochen werden müssen. Gedanken, die an einem anderen Tag verloren gehen.
Es ist nämlich paradox, wie viel ein Mensch im Alltag dahinredet, ohne etwas zu bewirken, und wie viel ein Mensch dagegen Gedanken für sich behält, die anderen Menschen Freude bereiten würden. Wirtschaftlich gesehen ist die Aussprache positiver Alltagsgedanken eine absoulte Win-Win-Sitaution, oder mehr als das: Ein Kompliment von einer fremden Person zu bekommen, kann für einen Menschen den grössten Pissnelkentag zum Freudentag Nr. 1 machen.
1 mal im Monat ist bei mir also Gedacht-Getan-Tag angesagt. Das ist zwar nicht viel, aber wenn die Methode Schule machen würden, hätte vielleicht auch mal jemand ein Kompliment für meine Turnschuhe übrig ☺ ... mal sehen, was bloggen so bewirken kann...
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JAPANERIN

Tag x ist gelebt, Woche x auch. Zurück bleibt... Leerraum... warum?

Theorie 1
Ich war im früheren Leben Japanerin: Ich geniesse erst, wenn ich 4 Tage später die passenden Fotos in der Hand halte und mir die erlebten Tage im Kopf Revue passieren lasse (wenigstens sind dann nicht bloss Grindelwald, Interlaken und die Zytglogge drauf;)). Die Methode ist schön, aber nicht optimal. Der Raum dazwischen ist nämlich an Leere nicht zu überbieten und das zähe Gefühl von Verschwendung und von Zu-Wenig-Genossen-Haben zehrt und zehrt...

Theorie 2
Der Uhrengott tut seine Arbeit: Er lässt die Stunden, die in den letzten 7 Tagen zu Sekunden wurden nachwachsen. Ganz langsam und behutsam, im Reagenzglas...so was dauert natürlich...

Theorie 3
Ich bin einfach nur müde, hab seit 7 Tagen nur Chips, Stängeli und Nüssli geknabbert, gelabert und mir Wein und Bier in den Rachen geschüttet....

Gelesen, zusammengefasst und eruiert: Theorie 1 ist romantisch, Theorie 2 weit hergeholt und Theorie 3 grundehrlich... Gute Nacht!

Aber bei der Gelegenheit: Merci an alle, die den Wartsaal 3 in dieser Woche aufgesucht und mit uns ein Gläschen oder 2, 3.... genommen haben :) war schön... glaube ich... sags Euch dann definitiv näxte Woche, wenn ich die passenden Bilder dazu habe...
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UHRENGOTT

3 Monate ist es her. Ich warte. Tag X rückt nicht näher. Er ist in weiter Ferne, je näher er kommt, umso weiter rückt er weg. Ich bin bereit, alles ist in die Wege geleitet, die Menschen und Objekte sind auf ihren Posten, X ist bis ins keinste Detail geplant, ich habe mich hundertmal vergewissert...
Dann ist Tag w (der Tag vor x) da und ich wache aus der Illusion auf: Natürlich bin ich NICHT bereit, nichts ist an seinem Platz, die Leute sind nicht auf ihren Posten (wissen von gar nichts...?!?). Schweissperlen auf der Stirn, Engegefühl in der Brust. Wo soll ich beginnen? ... – ein Szenario das ich gut kenne. Ferien, Prüfungen, Feiern, Geburtstage - die Zeit bewegt sich in all diesen Situationen wellenförmig: Sie bäumt sich in der Ferne unendlich langsam auf und, wenn sie bricht geht alles schnell. DAS IST NICHTS NEUES! Warum aber lass ich mich immer wieder von ihr reinlegen? Oder, konkreter: Warum glaube ich meiner Uhr am Handgelenk, den Daten in der Agenda mehr, als meinem Gefühl? Warum glaube ich ihnen, dass jede Minute, jede Stunde, jeder Tag, jede Woche gleich lang ist? Lerne ich denn nicht aus meiner Erfahrung?
Nein, denn anders könnte ich wohl kaum überleben in dieser Welt... – ich verbringe die Zeit, die meine Uhr mir gibt, lebe den Tag, der in meiner Agenda steht, durchlaufe die Woche, welche die Arbeit mir vorgibt... – weil auch ich darauf angewiesen bin, fixe Anhaltspunkte zu haben.
Andere nennen das Religion, für mich ist es die Uhr am Handgelenk.
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ZWEITE GEIGE

Ich habe Lust auf... Yoghourt? Fisch? Alte Salami? Hüttenkäse?... – der Kühlschrank löst mein Problem nicht. Sirup! Das ist es. Ich denke, ich habe ganz einfach Durst. Als ich aber das Objekt der Begierde zur Hand nehme, fällt mir daneben unser „2.-Sirup“, die „zweite Geige“, das „5. Rad im Regal“, der „Küchen-Trottel“ auf. Exotic heisst er, ist ein Experiment-Kauf meines Mitbewohners und besteht aus Orange, Kiwi, Ananas, Banane, Ascorbinsäure und E220, und: Er schmeckt verdammt wiederlich! Gekauft vor etwa 5 Monaten, ist die doofe gelbe Flasche immer noch fast voll.
Zielstrebig nehm ich mir ein Glas, mische den Schleim mit Wasser und stürze das Zeug runter... die Frage von meinem schockierten Mitbewohner: „Warum zum Teufel tust du denn so was????„
Meine Vermutung: Ich hatte Mitleid mit dem Sirup oder anders gesagt, ich fühlte mich gut dabei. Ihn zu trinken war meine gute Tat für heute!
Wenn ich schon dem zerknitterten Grosi im Tram den Verstorbenen Mann nicht zurückgeben, dem Jugendlichen keine Lehrstelle herzaubern, und dem Metzger um die Ecke keine Neukunden schenken kann, so kann ich doch wenigstens eins: Dem blöden gelben zweite-Geige-Sirup das Gefühl geben, Teil unserer Küche zu sein...

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