GESTÖRTE DEKADENZ
Wie es sich normalerweise an öffentlichen Vorträgen verhält - ... sich ein ödes Referat reinziehen, danach übers Apéro-Buffet herfallen und Tratsch austauschen... – hat gestern nicht funktioniert. Schuld war die Referentin. Klein, zerbrechlich wirkend und nicht immer deutlich ausgeleuchtet vom Lichttechniker, stand sie eine Stunde auf der Bühne und erzählte aus ihrem Alltag. So, dass 500 Menschen im Saal der Atem stockte. Die Referentin hiess Lotti Latrous. Schweizerin des Jahres 2004 und Aids-Mutter an der Elfenbeinküste. Sie zeigte Bilder von allergischen Reaktionen auf Aids-Generika, Bilder von 20 Kilo schweren Müttern, von tuberkulosekranken Kindern... und sprach mit Tränen in den Augen über Freud und Leid in einem 40’000 Seelen Slum.
Ihre Bilder und Worte hatten nichts vom Terre-des-Hommes-Heftli-Touch, der sie unnahbar und weit weg macht. Sie waren real. Sie füllten den Saal mit unendlichem Leid, mit einer Trauer und Hilflosigkeit, die ich selber an mir kaum jemals verspürt habe.
«Was verdammt nochmal mache ich hier? Womit verplämperle ich mein Leben? Warum? Warum?» - diese Fragen schwebten über jedem einzelnen Kopf. Lotti Latrous lebt seit 8 Jahren in Adjouffou und rettet Frauenleben. 35 % der Frauen in Abidjan sind HIV infiziert und sterben einen qualvollen Tod. Kinder kommen zur Welt und weinen bis sie diese wieder verlassen und niemanden kümmerts – ausser Lotti Latrous.
Ich schämte mich, weil ich Lotti Latrous gegenüber stets eine gewisse Distanz verspürt habe, weil ich sie zur SI-Prominenz gezählt habe, weil ich Spendenbriefe ihrer Stiftung ignorierte. Ich schämte mich für meine Wohung, mein Rollbrett, für meine Kleider. ich schämte mich für mich. Und am meisten schämte ich mich dafür, dass Lotti Latrous Verständnis zeigte für die Dekadenz unseres Alltags!
Nach dem Vortrag in den Schweizer-Märli-Frühlingsabend rauszugehen, sich am üppigen Apéro zu bedienen und Floskeln auszutauschen war unrealistisch, und doch... nach wenigen Minuten leerten sich die Tischlen-deck-dich... und die Menschen kehreten Afrika langsam den Rücken zu... nur Lotti Latrous reist in 3 Tagen wieder zurück – in ihre Heimat.
Ihre Bilder und Worte hatten nichts vom Terre-des-Hommes-Heftli-Touch, der sie unnahbar und weit weg macht. Sie waren real. Sie füllten den Saal mit unendlichem Leid, mit einer Trauer und Hilflosigkeit, die ich selber an mir kaum jemals verspürt habe.
«Was verdammt nochmal mache ich hier? Womit verplämperle ich mein Leben? Warum? Warum?» - diese Fragen schwebten über jedem einzelnen Kopf. Lotti Latrous lebt seit 8 Jahren in Adjouffou und rettet Frauenleben. 35 % der Frauen in Abidjan sind HIV infiziert und sterben einen qualvollen Tod. Kinder kommen zur Welt und weinen bis sie diese wieder verlassen und niemanden kümmerts – ausser Lotti Latrous.
Ich schämte mich, weil ich Lotti Latrous gegenüber stets eine gewisse Distanz verspürt habe, weil ich sie zur SI-Prominenz gezählt habe, weil ich Spendenbriefe ihrer Stiftung ignorierte. Ich schämte mich für meine Wohung, mein Rollbrett, für meine Kleider. ich schämte mich für mich. Und am meisten schämte ich mich dafür, dass Lotti Latrous Verständnis zeigte für die Dekadenz unseres Alltags!
Nach dem Vortrag in den Schweizer-Märli-Frühlingsabend rauszugehen, sich am üppigen Apéro zu bedienen und Floskeln auszutauschen war unrealistisch, und doch... nach wenigen Minuten leerten sich die Tischlen-deck-dich... und die Menschen kehreten Afrika langsam den Rücken zu... nur Lotti Latrous reist in 3 Tagen wieder zurück – in ihre Heimat.
Kommentare
Ja, das sind Momente, wo einem die Ungerechtigkeit traurig macht. Aber du hast dir deinen Geburtsort genauso wenig ausgesucht, wie die armen Leute in Afrika, Asien oder Südamerika. Ausserdem kannst du ja auch ein klein wenig helfen, zum Beispiel mit einer Patenschaft. Ich habe seit zwei Jahren ein Patenkind bei Worldvison. Das ist nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein, aber immer hin etwas!
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