DAS ENDE DER LEICHTFÜSSIGKEIT
Nein, ich geben niemandem Geld. Nicht weil ich nur wenig davon habe (auch deshalb ☺), doch mir wurde im Kindesalter eingetrichtert, dass es nix bringt, Bettler zu unterstützen.
Also schüttle ich jeweils neurotisch den Kopf beim vorbeihasten „...Dein Geld hilft ihnen nicht weiter, so kriegen sie ihr Leben nie in den Griff, schlimmer noch, sie werden unselbständiger mit jedem Geldschein den sie bekommen...“ – wurde ich gelehrt.
Bis jetzt habe ich, dank dieser Gewissens-Beruhigung, die Berner Bahnhofshalle ziemlich leichtfüssig durchschritten: Ich helfe, indem ich nicht helfe - ganz simpel.
Ab und zu plagte mich jedoch die Frage, ob ich denn konsequenterweise nicht auch die Alten und Blinden hilflos am Strassenrand stehen lassen sollte? Sollten nicht auch sie lernen sich selber zu helfen?
Richtig kompliziert wird’s, wenn sich beide Situationen überlappen. So geschehen vor wenigen Wochen. Beim Bergauf-Radfahren, vernahm ich durch die Kappe hindurch, eine dünne Alte-Frau-Stimme „Sie, Fräulein“ röcheln. Ich riss eine Vollbremsung (bergauf), nahm die Kopfhörer ab, und fragte freundlich bestürzt, was ihr denn fehle... „könnten sie mir wohl 200 Franken leihen, meine AHV ist alle“. Auf einmal fühlte ich mich von der Welt völlig überfordert. Die Frau wollte allen Ernstes mit mir zum Bancomat gehen, und 200 Franken in die Hand gezählt bekommen, damit sie die näxten Wochen „über die Runden“ kommt. Auf meine Frage hin, was sie denn mit ihrer ganzen AHV gemacht hat, meinte sie nur, sie hätte sich verschätzt mit einkaufen und jetzt reiche das Geld nicht bis Ende Monat - plausibel eigentlich. „Dein Geld hilft ihnen nicht weiter...“ - die Worte meiner Mutter geisterten durch meinen Kopf...
Doch, welcher der beiden Kategorien gehört die alte Frau an?
"Blind am Strassenrand" oder "schnorrend in der Bahnhofspassage"? Ich entschied mich für Letzteres und verwies sie aufs Sozialamt.
Später am Abend drückte ich dann einem bettelnden Baby-Punk am Bahnhof einen Fünfliber in die Hand – er guckte kaum hin, steuert seither aber geradewegs auf mich zu, wenn ich im Anmarsch bin... - Tja: Das Ende der Leichtfüssigkeit musste irgendwann kommen...
Also schüttle ich jeweils neurotisch den Kopf beim vorbeihasten „...Dein Geld hilft ihnen nicht weiter, so kriegen sie ihr Leben nie in den Griff, schlimmer noch, sie werden unselbständiger mit jedem Geldschein den sie bekommen...“ – wurde ich gelehrt.
Bis jetzt habe ich, dank dieser Gewissens-Beruhigung, die Berner Bahnhofshalle ziemlich leichtfüssig durchschritten: Ich helfe, indem ich nicht helfe - ganz simpel.
Ab und zu plagte mich jedoch die Frage, ob ich denn konsequenterweise nicht auch die Alten und Blinden hilflos am Strassenrand stehen lassen sollte? Sollten nicht auch sie lernen sich selber zu helfen?
Richtig kompliziert wird’s, wenn sich beide Situationen überlappen. So geschehen vor wenigen Wochen. Beim Bergauf-Radfahren, vernahm ich durch die Kappe hindurch, eine dünne Alte-Frau-Stimme „Sie, Fräulein“ röcheln. Ich riss eine Vollbremsung (bergauf), nahm die Kopfhörer ab, und fragte freundlich bestürzt, was ihr denn fehle... „könnten sie mir wohl 200 Franken leihen, meine AHV ist alle“. Auf einmal fühlte ich mich von der Welt völlig überfordert. Die Frau wollte allen Ernstes mit mir zum Bancomat gehen, und 200 Franken in die Hand gezählt bekommen, damit sie die näxten Wochen „über die Runden“ kommt. Auf meine Frage hin, was sie denn mit ihrer ganzen AHV gemacht hat, meinte sie nur, sie hätte sich verschätzt mit einkaufen und jetzt reiche das Geld nicht bis Ende Monat - plausibel eigentlich. „Dein Geld hilft ihnen nicht weiter...“ - die Worte meiner Mutter geisterten durch meinen Kopf...
Doch, welcher der beiden Kategorien gehört die alte Frau an?
"Blind am Strassenrand" oder "schnorrend in der Bahnhofspassage"? Ich entschied mich für Letzteres und verwies sie aufs Sozialamt.
Später am Abend drückte ich dann einem bettelnden Baby-Punk am Bahnhof einen Fünfliber in die Hand – er guckte kaum hin, steuert seither aber geradewegs auf mich zu, wenn ich im Anmarsch bin... - Tja: Das Ende der Leichtfüssigkeit musste irgendwann kommen...
Kommentare
Ragule
@ 22.01.2007 14:42 CEST
Auch in meiner Erziehung habe ich dieses "Nichts-Geben-und-doch-Helfen-Prinzip" mit auf den Weg bekommen.
Probier doch mal das "Sandwich-Prinzip" aus.
So geschehen als ich auch einmal auf dem Heimweg von einem Mann angequatscht wurde.
Mit einem netten Lächeln auf dem Gesicht, fragte ich den Mann: "ja, für was brauchen sie denn das Geld?". Er antwortet mit gequältem Blick: "na, für was zu Essen". Kurzerhand schleppte ich ihn mit in das nächste Coop und kaufte ihm ein Sandwich.
Der Reaktion des Mannes zufolge, war das Geld wohl doch nicht fürs Essen bestimmt.
Dennoch nahm er dankbar das Sandwich und biss genussvoll hinein.
Leichtfüssig machte ich mich davon und eins ist sicher, dieser Mann wird mich nicht mehr anbetteln, aussert natürlich er möchte ein Coop-Schinken-Sandwich.
Auch in meiner Erziehung habe ich dieses "Nichts-Geben-und-doch-Helfen-Prinzip" mit auf den Weg bekommen.
Probier doch mal das "Sandwich-Prinzip" aus.
So geschehen als ich auch einmal auf dem Heimweg von einem Mann angequatscht wurde.
Mit einem netten Lächeln auf dem Gesicht, fragte ich den Mann: "ja, für was brauchen sie denn das Geld?". Er antwortet mit gequältem Blick: "na, für was zu Essen". Kurzerhand schleppte ich ihn mit in das nächste Coop und kaufte ihm ein Sandwich.
Der Reaktion des Mannes zufolge, war das Geld wohl doch nicht fürs Essen bestimmt.
Dennoch nahm er dankbar das Sandwich und biss genussvoll hinein.
Leichtfüssig machte ich mich davon und eins ist sicher, dieser Mann wird mich nicht mehr anbetteln, aussert natürlich er möchte ein Coop-Schinken-Sandwich.
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