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FINDEL-ZEIT

Ein bekanntes Phänomen: Beim Warten bleibt die Zeit stehen, die Verzweiflung an der Untätigkeit wächst und, sobald die Wartezeit vorbei ist, verschwindet die Erinnerung an das mühsame Warten wieder...  Diese Zeit-Wahrnehmungs-Veränderungen sind seltsam. Stehen sie doch eindeutig im Widerspruch dazu, dass man sich in vielen Situationen nach genau solchen Minuten der Ruhe sehnt. Warum also kann man Ruheminuten nicht auch dann nutzen, wenn sie durch Wartrei entstehen? Warum können wir die Zeit, in der wir auf etwas warten, nicht als Vollwertig betrachten, sondern stufen sie als minderwertig, sozusagen als "Findel-Zeit" ein und sehnen uns sogar danach, sie zu vergeuden. Ich begab mich auf die Suche nach einer Methode zum diesbezüglichen Umdenken...

DAS EXPERIMENT: Als ich kürzlich bei der Tram-Station „Hirschengraben“ warten musste, stand auf der Tafel 8 Minuten. Die Zeit blieb abrupt stehen. Ein ausgezeichneter Augenblick also, mein Experiment zu starten. Zu Hause angekommen stellte ich mich kurzerhand in eine Ecke – das Gesicht zur Wand – volle 8 Minuten. Und siehe da, es klappte: Sehr rasch sehnte ich mich nach dem Hirschengraben zurück – dort ist die Zeit nämlich bedeutend rascher verstrichen. (Bei 3 Minuten meldete sich der Innerer Schweinehund mit den Worten „Jetzt hast du ja gesehen wies geht und kannst aufhören“... und ich musste das Experiment wiederholen J.)

Die Quintessenz: Nach den 8 Eck-Minuten schien mir der Rest des Tages wieder gefüllt mit leerer Zeit, die ich mit Aktivität füllen darf. Und das Schönste daran: In den vergangenen 8 Minuten habe ich rein gar nichts verpasst!

 

Siehe auch: Vogelperspektive.

Kommentare (2)  Permalink

Kommentare

je @ 26.01.2007 13:55 CEST
Rah, ich liebe es einfach deine blogs und experimente zu lesen!
Warten, warten, warten... Stunden, Minuten, eine, zwei, drei Zigis lang, gestresst auf das Moment warten an dem das Ereignis eintrifft. Auch dann noch nicht loslassen können. Warten auf das nächste Ereignis. Warten auf die nächste Warterei. Warten, dass andere aktiv werden und unser eigenes Leben verändern. Selber lieber noch damit warten, aktiv zu werden... Warten, warten, warten.
Glücklicherweise kenn ich diese Situationen kaum, wurde nichtraucherin und nutze meine "8eck- Minuten!
In dem Sinne carpe diem, und äh- wart schnell- ach ja, hoffentli bis bald ;)
rah @ 26.01.2007 14:46 CEST
danke für diesen kommentar! du hast völlig recht, meist wartet man auf das nächste warten und auf andere leute. das hab ich übrigens aufgehört. ich warten nur noch genau 8 minuten auf jemandem und dann bin ich weg ;) wenns die leute wissen ists sehr praktisch, da verspätet sich keiner mehr...
ja, hoffentli bis glii!!! machs gut
r
und, ja: auch ich gehöre nicht zu den ewig wartenden - oder nicht mehr :)
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