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DER KLASSISCHE DUZIS-MACHER

Mein Name ist der klassische „Duzis-Macher“: Ich marschiere auf einen Menschen zu, strecke meine Hand aus und stelle mich vor: „Sahli“. Die Antwort ist dann nicht selten „Ach, in dem Fall bin ich gleich der Thomas“.
Auch wenn die betroffenen Thomasse, Hanspeters oder Erikas, nach der leidigen Erklärung, dass „Sahli“ Name und nicht Grussfloskel sei, erröten und hysterisch zu kichern beginnen – meist bleibt es danach für immer beim „Duzis“. Ein Zurück gibts nicht.
So kommt’s, dass ich heute mit diversen Emmentaler Behördenmitglieder Per-Du bin, deren Konterfei ich nicht einmal auf einem Kopfgeldplakat mit Belohung wieder erkennen würde...
Warum, frage ich mich manchmal, ist dieses Duzis-Machen eigentlich eine derartig festgefahrene Einweggeschichte? Die Umkehrfunktion würde doch, gerade im Fall von kurzfristigen Bekanntschaften, Trinkbekanntschaften, alten Schulfreunden oder unliebsamen Verwandten, viel mehr Sinn machen, als der Grossteil aller Duzis-Schliessereien?
Die Frage erübrigt sich, sobald man sich das Beispiel zum Gedanken vorstellt....: “Entschuldige Thomas, aber dürfte ich Dir das Sie anbieten? Ich finde, wir kennen uns gar nicht gut genug... „ – ehrlich, aber undenkbar in unserer Gesellschaft...

Tja, die einzige Lösung, die mir auf die Schnelle einfällt... ich taufe mein Kind einmal Meier, Müller oder gleich Sahli Sahli ?!??

ps: Wenn jemand eine bessere Idee hat, bitte melden ☺
Kommentare (8)  Permalink

Kommentare

Pri @ 31.03.2007 10:12 CEST
Mein Ex-Chef hat mit einer meiner Vorgängerinnen mal ein Duzis-Widerruf gemacht. Seither war er nie mehr mit einer seiner Sekretärinnen duzis. Ich war übrigens froh darüber, dass wir uns gesiezt haben. Wenn man sich duzt, sind die Hemmschwellen meist niedriger, und seine waren schon mit siezis nicht besonders hoch. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was da noch zusätzlich auf mich eingeprasselt wäre...!
tja @ 31.03.2007 19:52 CEST
tja, dein ex-chef, das muss mir ja ein feiner kerl gewesen sein.
ich bin auch bei etlichen leuten froh, bin ich mit ihnen per sie und nicht per du.
auch wenn ich die englische you-variante gar nicht so schlecht finde... aber eben, wir sind halt schon so festgefahren mit den zwei varianten das braucht noch ein paar generationen...
gruss und viel glück am montag :) - ich würde beim sie bleiben...
rah @ 02.04.2007 15:08 CEST
ähäm, das "tja" da oben sollte "rah" heissen... komisch... auf jeden fall war es die rah die das tja schrieb. :)
sorry
Anna @ 03.04.2007 19:40 CEST
Wenn eine Bierbekanntschaft plötzlich im Vorlesungssaal vorne ins Mikrofon redet, findet man ganz automatisch wieder zum siezen zurück ;-)
starhead @ 04.04.2007 11:34 CEST
da ich gerade seit geraumer zeit in paris verweile, auf ein gehacktes w-lan angewiesen bin (das meine einzige verbindung zur inter-welt darstellt, aber leider nicht immer funktioniert), geniesse ich die zeit nun, wieder einmal deutsch-sprachige konversation zu pflegen. nun ja, meine liebe Rah, was soll ich ihnen dazu sagen?

so wie mir meine geschichte einfällt, pflege ich sie nun kuz zu erzählen.

[kaffepause]

[/kaffepause fertich]

in meiner beruflichen laufbahn, welche ich ihnen nicht allzu breit erörtern will, stolperte ich über ein altehrwürdiges institut, dessen namen ich hier nicht erwähnen möchte, aus gründen der staatsgeheimhaltung des staates österreich. nun denn, ich bekam dort, wider meines auftretens und meiner damaligen eher links und anarchistisch angehauchten gesinnung eine anstellung.

das alte ehrwürdige haus gab 65 menschen arbeit und am kopf der alten bude, trohnte ein direktor.
natürlicherweise, so muss ich ihnen erklären, waren die zwischenmenschlichen beziehungen eher salopp, so auch der gegenseitige umgangston und die ansprache mit einem allgemeinen und elitären "Du" .
ich denke, was die von Ihnen erwähnte umkehrfunktion betrifft, so bin ich in diesem sinne ein lebendes beispiel für die umkehrfunktion selbst. zumindest war ich dies in dieser zeit.
ich konnte mir die frechheit herausnehmen, vielleicht durch mein auftreten und verhalten, mit dem alten ehrwürd´gen direktor des hauses das "Sie" zu bewahren.
Als einziger unter 64leuten. sogar der hausmeister war per du mit ihm.
auch nach 8 jahren dienstlicher tätigkeit in den alten gemäuern wurde kein, nicht einmal ansatzweise auf diversen festeivitäten, parties und zusammenkünften, kein einziges nichts, null, garnichts eines hauches eines "Du´s" mir angeboten.
zu meinem plaisier,.....
mann wäre sich doch schon sehr verbunden, wenn´s dauernd "duz"ed.

irgendwie, und ich denke gerade sie, verehrenswerte Rah verstehen das ims peziellen, hat man eine gewisse ruhe und eine gewisse unverbundenheit, freiheit sozusagen,.... solange das "Sie" im raume steht.

Sie, liebe ehrenswerte Rah freudig grüssend, ....
und mit liebevoll verbleibender höflichkeit, ...

ihr starhead.
rahselber @ 05.04.2007 09:28 CEST
liebe anna, dein beispiel möchte ich lieber nicht erlebt haben ...
aber du hast recht, es gibt die umkehrfunktion tatsächlich :) - zum glück! tja.
rah @ 05.04.2007 09:33 CEST
lieber Herr Sternenkopf oder Tête-des-étoiles :)... ich wusste gar nicht, dass es Sie nach Frankreich verschlagen hat. Warum verschlägt es Sie denn nie in die Schweiz?
Ich kann mir sehr gut vostellen, dass diese besagte Firma eine rege Per-Du-wenn-Du-mir-sympatisch-genug-bist-Kutlur hatte... und dass Ihnen das nicht beliebte. Aber diese Zeit haben Sie ja glücklicherweise hinter sich gelassen.
Ich hoffe auf ein baldiges Wiederhören, gehackt oder legal.
Mir freundlichen Grüssen Frau Rahel
rahel @ 05.04.2007 09:35 CEST
... übrigens: Die öffentliche Sauna ist auch ein "lustiger" Ort mit anderen Per-Sies zu sitzen und dabei zu hoffen, mit keinem davon jemals per Du sein zu müssen :)
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