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DER CUMULUSKÄMPFER

„Phantasie hat man oder man hat sie nicht.“ – Diese Behauptung hat für mich keine Berechtigung. Nicht umsonst existiert schliesslich der Ausdruck „die Phantasie anregen“. Leider wird diesem in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung geschenkt. Ich persönlich glaube nämlich, dass die Phantasie in jedem von uns schlummert und ich finde, dass sie geweckt gehört!
Am einfachsten funktioniert dies, in den so genannten „Zwischenräumen“: In der Zeit, in der man von A nach B reist; in der Zeit, in der man auf das Tram wartet; in der Zeit, in der man kurz pausiert... - Diese Zeitblöcke (frei von Arbeit und sozialer Betätigung) und das aktuelle Gewitterwetter sind die idealen Zutaten zum „WOLKENBILDER FORMEN“!

Experiment:
Nehmen Sie sich wider einmal Zeit, in den Himmel zu schauen und sich Geschichten auszudenken über die verschiedenen Figuren, die in den Wolken entstehen. Es ist verblüffend, wie real diese Bilder werden können. Die kämpfenden Eisbären, der fliegende Elefant, der Junge mit dem Ballon... - eine Fotografie könnte sie alle nicht realer abbilden!

Der positive Zusatzeffekt, wenn man das Experiment zu zweit ausführt:
Man realisiert wieder einmal, dass die Bilder, die wir uns von der Welt machen, bei jedem ganz unterschiedlich sind und es extrem schwierig ist, einander Eindrücke zu übermitteln.
Warum also glauben wir immer noch, dass die Menschen einander verstehen sollten?
(„...doch, lue doch, dört, obe si d’Ouge, när d’Nase... mou, lue doch...„)

Fazit:
"Angeregte Phantasie bringt den Beweis, dass eine schlüssige Kommunikation von Mensch zu Mensch schlicht unmöglich ist"
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DER LESERBRIEF

In meiner Print-Journi-Ära hatte ich nicht selten mit Reaktionen aus der Bevölkerung, den so genannten "Leserbriefen", zu tun. Diese kleinen, gemeinen, meist sehr wirren Zeilen, die irgendwelche Menschen aus ihrem Frust heraus zu Papier gebracht und an die Redaktionen versandt haben. Jahrelang habe ich mich gefragt: Wer tut so ewas? - Seit heute gehöre ich selber zu der Spezies: Ich habe einen Leserbrief verfasst & verschickt!
Dies, als Reaktion auf einen Artikel vom 18.05.07 mit dem unsinnigen Titel "Kampfansage an die Pünktchen"...

Wer Zeit und Muse hat meinen persönlichen Schlagabtausch zu lesen, bitteschön:

AUSSCHNITTE AUS DEM ARTIKEL (Berner Zeitung vom 18.05.07):
Kampfansage an die Pünktchen
Mit der Sonne kommen die Hautflecken – die meisten finden sie eher suspekt als hübsch. Tricks und Schminke schaffen Abhilfe...
Die Haut ist einer der stärksten Attraktivitätsfaktoren überhaupt. Je glatter sie ist, desto mehr gefällt sie. Ästhetisch störend sind nicht nur Falten, sondern auch Unregelmässigkeiten wie Pigmentflecken. Man stelle sich bloss einmal Mona Lisa oder Angelina Jolie mit Flecken im Gesicht vor. Das geht irgendwie nicht...
... die wenigen Models mit Sommersprossen wie zum Beispiel Cintia Decker oder Alyssa Sutherland sind alles andere als grosse Stars. Sie haben die gleiche Funktion wie die Models mit abstehenden Ohren oder asymmetrischem Gesicht: Als Abweichung von der Norm sind sie ein Hingucker, aber gelten nicht als schön. Dasselbe gilt für schwarze vereinzelte Punkte oder die eher helleren Altersflecken.
... Wer weiss, vielleicht hatte auch Kleopatra Pigmentflecken und hätte ohne Make-up bei Cäsar keine Chance gehabt...
...Leider bleiben jedoch Normalsterbliche meist nicht von Pigmentflecken verschont: ein riesiger Markt für Kosmetiklabels wie Nivea, Shiseido oder Yves Rocher...
... Als wirksamste Strategie, Pigmentflecken zu vermeiden, empfiehlt Dermatologe Bayard, die Sonne zu meiden: «Auf den Füdlibacken haben die meisten ja auch keine Flecken – ausser sie sonnen sich nackt.»

MEINE REAKTION
Menschen unterscheiden sich unter anderem durch äußere Merkmale wie Augen-, Haar- oder Hautfarbe. Diesen Umstand streitet keiner ab und es wird sich auch niemand anmaßen, wertend gegen das eine oder andere menschliche Merkmal vorzugehen. Oder doch?
Der Artikel „Kampfansage an die Pünktchen“ (18.05.2007) ist mit Abstand das Despektierlichste, was ich je in einer Tageszeitung gedruckt gefunden habe.
«Die meisten finden sie eher suspekt als hübsch», so der Allgemeinplatz der Verfasserin zum Thema Sommersprossen. Allein diese Aussage ist fragwürdig - oder gibt es irgendwelche Studien, die dies belegen? Weiter geht’s mit folgendem Frage- Antwortspiel: „man stelle sich bloß einmal Mona Lisa oder Angelina Jolie mit Flecken im Gesicht vor. Das geht irgendwie nicht“. Hier stelle ich als hellhäutige, sommersprossige Leserin mir die Frage: «warum denn nicht?».
Im Verlaufe des Artikels werde ich unter anderem mit der Theorie konfrontiert, dass Kleopatra ihr Liebesglück einzig ihrer makellosen Gesichtshaut zu verdanken hat oder, dass Sommersprossen an einem Mannequin mit abstehenden Ohren gleichzusetzen sind. Meiner Ansicht nach sind dies allesamt Aussagen, die rassistisches Gedankengut in sich tragen. Wäre es zum Beispiel in Ordnung, selbigen Artikel, statt über sommersprossige, über dunkelhäutige Menschen zu verfassen? Ich glaube, zumindest bei Ersterem, käme die Verfasserin des Textes rasch in Konflikt mit der geltenden Gesetzgebung. Die allgemeine Feststellung, Pigmentflecken seien «unvorteilhaft» und «ästhetisch störend» ist, meiner Meinung nach, in einer Tageszeitung ethisch in keiner Weise vertretbar.
Die Aussage des befragten Dermatologen: «auf den Füdlibacken haben die meisten ja auch keine Flecken – ausser sie sonnen sich nackt» wirft bei mir ausserdem die Frage auf: «Findet die Verfasserin, dass ich als sommersprossiger Mensch, anstelle meines gepunkteten Kopfes, lieber ein „Füdli“ auf dem Hals tragen würde?».
Zu guter Letzt sind auf der Seite (Rubrik «Genießen») Kosmetika abgebildet, mit denen sommersprossige Menschen ihren „Pünkten den Kampf ansagen“ können – auch das, ziemlich fehl am Platz. So verschieden die Menschen sind, so verschieden sind nämlich auch deren Geschmäcker.
Etwas Gutes hatte der Artikel trotzdem: Ich habe als 28 jährige, blonde Schweizerin zum ersten Mal in meinem Leben wirklich nachfühlen können, was es bedeutet, rassistisch angegriffen zu werden.


ICH KOMME MIR ZWAR VOR WIE EINE ALTE NÖRGELNDE LESERBRIEFTANTE UND WERDS ZIEMLICH SICHER NIE WIEDER TUN, ABER DAS MUSSTE SEIN!
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MÖGLICHKEITS-KISTE

Die Mitbewohnerin ist gefunden, kauf ich heute noch Brot, hab ich den letzten Take abgespeichert...?“ mitten in diesen Fragen taucht er auf einmal aus dem Nichts auf: ein schwarzglänzender Mercedes. Nicht ganz aus dem Nichts. Nein, er biegt von der Seitenstrasse rechts auf „meine“ Hauptstrasse ein. Es regnet wie in einem schlechten Arche-Noah-Film, es ist dämmer-dunkel, ich bin mit 85 km/h unterwegs, der Abstand zwischen meinem Toyota Aygo und dem schwarzglänzenden Mercedes beträgt geschätzte 20 Meter. Meine Reaktion ist gut: Ich steige voll auf die Bremse, reisse das Steuer rum, schliddere auf die Gegenfahrbahn und komme, wenige Asphaltmeter vor/neben dem schwarzglänzenden Mercedes, zum Stehen. Zwei verängstigte, geschockte, unsichere Blicke kreuzen sich. der Merzfahrer hebt kurz und entschuldigend, hilflos seine Hand - es ist ja nix passiert.
Ich fahre weiter, schwenke nach ein paar Metern rechts ran, warte bis das Zittern in Armen und Beinen nachässt und mir wird bewusst: ICH HABE GLÜCK GEHABT.
Das Zittern lässt nach, ich fahre heim und grüble...: Das Bild des Mercedes-Mannes vor Augen wird mir bewusst, dass ich diesen Mann nie wieder sehen werde. Hätte ich nicht so viel Glück gehabt, wäre er Teil (negativer Teil wahrscheinlich) meines Lebens geworden und der Unfall wäre, bis an mein und sein Lebensende, immer wieder Gesprächsthema in beider Umfeld gewesen.
So aber -es ist ja nix passiert- werde ich allenfalls ein paar Kollegen davon berichten, eventuell darüber bloggen und den Mercedes-Mann nach und nach vergessen.

Und genau das ist seltsam, denn: Ich habe in dem Moment des Fast-Unfalls einen raren Blick auf das Sammelsurium an Möglichkeiten erhascht, die das Leben für mich bereit hält - einen Blick in die Möglichkeitskiste sozusagen.
Die meisten solcher Möglichkeiten – ob gut oder schlecht – gehen den Tag über an einem vorbei ohne, dass man sie bemerkt und ihnen Beachtung schenkt, also ist es umso wichtiger, den Blick in die Möglichkeitskiste festzuhalten und auszukosten – auch wenn diese Möglichkeit denkbar schlecht gewesen wäre!

Kurzexperiment: Graben Sie in einer freien Minute in ihrer persönlichen Möglichkeitskiste; zum Beispiel indem sie einen anderen Nachhauseweg nehmen oder sich dem Befehl ihres Chefs widersetzen :)
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PARTNERBÖRSE

Fühlen Sie sich manchmal allein, verlassen und Sie sind dem ewig gleichen Partner überdrüssig? Dann habe ich DIE Lösung: Tragen Sie sich ein unter www.wgzimmer.ch und Sie finden im Nu Ihren Traum-Partner...
Ich habe die Plattform ernst genommen und für die Suche nach einer neuen Mitbewohnerin zu nutzen versucht.
„Suche per 1.Juni eine Nicht- oder Balkonraucherin, mit einem Mindestmass an Ordnungssinn...“ – dies der Wortlaut meiner Anzeige.
Dann liess ich der Sache freien Lauf. Zu freien Lauf, wie sich rasch herausstellte! Innerhalb der nächsten 2 Tage füllte sich meine Mailbox mit Anfragen. Mit einer einzigen Ausnahme waren es aber Männer (ich suchte ausdrücklich nach einer Frau), die sich gerne mit mir treffen würden. Anständig erzogen wie ich bin, beantwortete ich sämtliche Anfragen nett aber bestimmt mit einem „leider nein“.
Einer, nennen wir ihn MISTER-X, gab nicht auf und lud mich zu „ feiern, Kaffee trinken gehen, ins Tanzen (salsa, rock, house) gehen, Spass machen, Ferien machen, zusammen kochen“ ein, und fügte hinzu „was du nichts machen kann, übernehme ich es“.
Nett nett...dachte ich und sandte ich dem Guten ein zweites „leider nein“ zu. Ohne Erfolg: MISTER-X eröffnete mir: „Ich bin schon in vielen Ausländern gewesen“ – was auch immer das heissen soll ☺?!? Am nächsten morgen – Sonntag morgen – folgte dann der vorläufige Höhepunkt unserer Zweierbeziehung: MISTER-X sandte mir einen virtuellen Blumenstrauss mit einem kurzen Steckbrief seines Tagesablaufs (diesen hier aufzuführen würde zu viel Platz beanspruchen).

Fazit: heute habe ich immer noch niemanden für mein WG-Zimmer gefunden.
Wer Interesse hat: Ab 1. Juni, 580.-, Bern/Weissenbühl
Zimmer:                                     Wohnzimmer:

   
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