MÖGLICHKEITS-KISTE
„Die Mitbewohnerin ist gefunden, kauf ich heute noch Brot, hab ich den letzten Take abgespeichert...?“ mitten in diesen Fragen taucht er auf einmal aus dem Nichts auf: ein schwarzglänzender Mercedes. Nicht ganz aus dem Nichts. Nein, er biegt von der Seitenstrasse rechts auf „meine“ Hauptstrasse ein. Es regnet wie in einem schlechten Arche-Noah-Film, es ist dämmer-dunkel, ich bin mit 85 km/h unterwegs, der Abstand zwischen meinem Toyota Aygo und dem schwarzglänzenden Mercedes beträgt geschätzte 20 Meter. Meine Reaktion ist gut: Ich steige voll auf die Bremse, reisse das Steuer rum, schliddere auf die Gegenfahrbahn und komme, wenige Asphaltmeter vor/neben dem schwarzglänzenden Mercedes, zum Stehen. Zwei verängstigte, geschockte, unsichere Blicke kreuzen sich. der Merzfahrer hebt kurz und entschuldigend, hilflos seine Hand - es ist ja nix passiert.
Ich fahre weiter, schwenke nach ein paar Metern rechts ran, warte bis das Zittern in Armen und Beinen nachässt und mir wird bewusst: ICH HABE GLÜCK GEHABT.
Das Zittern lässt nach, ich fahre heim und grüble...: Das Bild des Mercedes-Mannes vor Augen wird mir bewusst, dass ich diesen Mann nie wieder sehen werde. Hätte ich nicht so viel Glück gehabt, wäre er Teil (negativer Teil wahrscheinlich) meines Lebens geworden und der Unfall wäre, bis an mein und sein Lebensende, immer wieder Gesprächsthema in beider Umfeld gewesen.
So aber -es ist ja nix passiert- werde ich allenfalls ein paar Kollegen davon berichten, eventuell darüber bloggen und den Mercedes-Mann nach und nach vergessen.
Und genau das ist seltsam, denn: Ich habe in dem Moment des Fast-Unfalls einen raren Blick auf das Sammelsurium an Möglichkeiten erhascht, die das Leben für mich bereit hält - einen Blick in die Möglichkeitskiste sozusagen.
Die meisten solcher Möglichkeiten – ob gut oder schlecht – gehen den Tag über an einem vorbei ohne, dass man sie bemerkt und ihnen Beachtung schenkt, also ist es umso wichtiger, den Blick in die Möglichkeitskiste festzuhalten und auszukosten – auch wenn diese Möglichkeit denkbar schlecht gewesen wäre!
Kurzexperiment: Graben Sie in einer freien Minute in ihrer persönlichen Möglichkeitskiste; zum Beispiel indem sie einen anderen Nachhauseweg nehmen oder sich dem Befehl ihres Chefs widersetzen :)
Ich fahre weiter, schwenke nach ein paar Metern rechts ran, warte bis das Zittern in Armen und Beinen nachässt und mir wird bewusst: ICH HABE GLÜCK GEHABT.
Das Zittern lässt nach, ich fahre heim und grüble...: Das Bild des Mercedes-Mannes vor Augen wird mir bewusst, dass ich diesen Mann nie wieder sehen werde. Hätte ich nicht so viel Glück gehabt, wäre er Teil (negativer Teil wahrscheinlich) meines Lebens geworden und der Unfall wäre, bis an mein und sein Lebensende, immer wieder Gesprächsthema in beider Umfeld gewesen.
So aber -es ist ja nix passiert- werde ich allenfalls ein paar Kollegen davon berichten, eventuell darüber bloggen und den Mercedes-Mann nach und nach vergessen.
Und genau das ist seltsam, denn: Ich habe in dem Moment des Fast-Unfalls einen raren Blick auf das Sammelsurium an Möglichkeiten erhascht, die das Leben für mich bereit hält - einen Blick in die Möglichkeitskiste sozusagen.
Die meisten solcher Möglichkeiten – ob gut oder schlecht – gehen den Tag über an einem vorbei ohne, dass man sie bemerkt und ihnen Beachtung schenkt, also ist es umso wichtiger, den Blick in die Möglichkeitskiste festzuhalten und auszukosten – auch wenn diese Möglichkeit denkbar schlecht gewesen wäre!
Kurzexperiment: Graben Sie in einer freien Minute in ihrer persönlichen Möglichkeitskiste; zum Beispiel indem sie einen anderen Nachhauseweg nehmen oder sich dem Befehl ihres Chefs widersetzen :)
Kommentare
Hoi Rah, du hast recht, oft geht man viel zu gedankenverloren durchs Leben! Eigentlich blöd, dass wir uns dessen nur nach Momenten der Gefahr bewusst werden!
rah
@ 16.05.2007 17:11 CEST
...und dann vergeht ein tag und ich bin wieder im alltagstrott, ohne angst und sorge um mein wohlergehen...
dass der mensch ein verdrängungs-lebewesen ist, haben forscher glaube ich schon lange herausgefunden und dagegen anzukämpfen ist halt nicht immer einfach.
tja, lieber gruss, r
...und dann vergeht ein tag und ich bin wieder im alltagstrott, ohne angst und sorge um mein wohlergehen...
dass der mensch ein verdrängungs-lebewesen ist, haben forscher glaube ich schon lange herausgefunden und dagegen anzukämpfen ist halt nicht immer einfach.
tja, lieber gruss, r
liebe Rahel
du hast ja recht, aber allzu viel sollte man auch nicht nachgrübeln. Trotzdem oder gerade desswegen gehe ich jetzt 2 Tage fort von zu Hause in ein schönes Hotel um vielleicht etwas zu philosophieren!
e liebe Gruess bis gli
pa
rah
@ 16.05.2007 21:20 CEST
das ist schön, ich wünsch euch alles gute auf eurer hochzeitsreise :) oder fast-hochzeitsreise. passt auf im strassenverkehr gell :)
rah
das ist schön, ich wünsch euch alles gute auf eurer hochzeitsreise :) oder fast-hochzeitsreise. passt auf im strassenverkehr gell :)
rah
kathi
@ 24.05.2007 15:05 CEST
ein schöner text; er hat es geschafft mir in einem moment, wo ich mich eigentlich auf etwas spezifisches hätte konzentrieren sollen, einen kleinen augenblick die augen für den gesamtzusammenhang (des lebens? :-)zu öffnen... danke dir!
ein schöner text; er hat es geschafft mir in einem moment, wo ich mich eigentlich auf etwas spezifisches hätte konzentrieren sollen, einen kleinen augenblick die augen für den gesamtzusammenhang (des lebens? :-)zu öffnen... danke dir!
rah
@ 24.05.2007 15:33 CEST
hm... und 15.05 hast du schon zeit, dir gedanken über gesamtzusammenhänge zu machen :) ein gutes zeichen, wenn du dazu zeit findest.
schöne namittag und bitte, r
hm... und 15.05 hast du schon zeit, dir gedanken über gesamtzusammenhänge zu machen :) ein gutes zeichen, wenn du dazu zeit findest.
schöne namittag und bitte, r
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