"Die Handtasche einer Frau ist unergründlich" – bis jetzt hatte ich bei dieser Aussage stets ein Lächeln auf den Lippen, denn: Ich selber trage keine Handtasche mit mir rum, ergo bin ich keine Tussi und keine „Madame“, die all diesen Lippenstiftplunder mit sich rumschleppen muss.
Heute aber wurde ich eines besseren belehrt: An Stelle einer modernen, zarten Handtasche schleppe ich nämlich eine Kamelledertasche 50 cm x 25 cm x 20 cm mit mir herum. Sei es im Ausgang, beim Grosmutterbesuch oder zum Arbeiten - die selben hundert Dinge reisen mit mir von A nach B, von Langnau nach Bern, von da nach Biel, weiter nach Genf und auch sonst überall hin. Meist ist diese Tasche so schwer, dass ich sie irgendwo deponieren muss, wenn ich an einem Ort länger als 2 Minuten bleibe.
Fazit: Ich bewundere dank dieser Erkenntnis alle Frauen, die ihr gesamtes Hab und Gut in eine kleine, handliche Tasche pressen können und dabei erst noch elegant wirken - Chapeau... !
Meine Tasche hat aber einen klitzekleinen Vorteil: Wenn mich unterwegs ein Hungergefühl packt und ich gierig nach irgendwas Essbarem krame, werde ich in meiner Tasche meist fündig - auch wenn ich schwören könnte, morgens nichts Essbares eingpackt zu haben.
Zuerst fühlt es sich an wie eine „hundskommune“ Erkältung aus mit Fieber, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Dann aber, sobald der Erkältete meint, über dem Berg zu sein, kommt es faustdick: Schüttelfrost, Trommelfellentzündung und Ohrenrauschen. So geschehen vergangene Woche bei mir, meiner Schwester und deren Mann.
Nach 3 durchlittenen Nächten wurde der Gang zu Apotheke und Arzt für mich unumgänglich. In erster Linie wegen den Ohrenschmerzen und dem teilweisen Gehörverlust. Aus meiner Kindheit waren mir Ohrentropfen bestens bekannt und deshalb das Ziel meines Apothekenbesuches. Doch von der aggressiven Apothekerin konnte ich so einiges lernen: „Nicht Ohrentropfen braucht man bei Ohrenschmerzen sondern Nasenspray. Ohrentropfen sind Gift für die Ohren und nie, nie, niemals anzuwenden!“ – „Aha! Und was macht man bei Schnupfen?“, wagte ich mich vorsichtig fragend vor. Die Antwort, völlig einleuchtend: „Jaa keinen Nasenspray, davon wird man nämlich süchtig und dann kann man die Nasenschleimhaut ganz abhaken...“
Kopfschüttelnd verliess ich meine Apotheke, schleppte mich mit meinen flauschigen Ohrenschonern (bei fast 30 grad ☺) zum Doppel-Ersatz-Hausarzt (Arzt in den Ferien, Ersatz auch) und: Er verabreichte mir Ohrentropfen.
Diese habe ich dann allerdings mit Vorsicht genossen, man weiss ja nie...
3.50 Uhr, der Donnerstag beginnt mit nasskaltem Nieseln, keiner Milch im Kühlschrank (!?) und einem Pullover aus der Teenagerzeit, da der Wäscheberg mittlereweile höher ist als der Kleiderstapel im Schrank - es kann nur besser kommen. Ein schlechter Start macht schliesslich noch lange keinen
Pissnelkentag (PNT) aus!
Vorischtig starte ich den Automotor. Sogleich blinkt mich fröhlich ein organges Lämpchen an. Seit wann tut es das? Ich kann mich nicht erinnern, schon gestern auf dem Nachhauseweg eine Benzin-Warnlampe gesehen zu haben. Da ein Stehenbleiben morgens um 4.00 Uhr zwischen Bern und Langnau zu einem
PNT passen würde kurve ich „süüferli“ zur näxten Tankstelle. Trotz Nieselregen steige ich aus, krame mein letztes 20-er-Nötli hervor, schiebe es in den Schlitz und lese (etwas erstaunt) „
Weiter oder OK drücken“. Wie bitte? Da es auf der Tastatur keine „Weiter“-Taste gibt, drücke ich OK und lese „
leider keine Quittung möglich“. Ich warte. Der näxte Satz (wie befürchtet) „
Bitte schieben sie eine Banknote oder ihre Karte ein“...
Ich werde den Tag wohl oder übel unt er der Kategorie
PNT ablegen. Das 20-er-Nötli ist gefressen. Ich tanke mit der Postcard und merke bei 50 Franken, dass ich eigentlich ja nur 20 ausgeben wollte...
Fast schon emotionslos stelle ich später im Büro fest, dass diese Tankstelle wohl die einzige in ganz Bern ist, die zwar einen Shop aber keinen Telefonanschluss hat...
Die Dienstsetlle der Migrol in Zürich schickt mir jedoch in den näxten Tagen aber mein 20-er-Nötli zurück. (Die näxten Tage sind schliesslich
PNT's mehr) , obwohl die Telefondame etwas erstaut zur Kenntnis war, dass ich mit „morgens um 4.01“ eine extrem exakte Tankzeit angeben kann...