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BLECHTIERE

Sie machen keine Geräusche. Doch, sie machen Geräusche aber ich höre nichts davon. Auch ich mache Geräusche, die ich nicht höre. Was ich höre ist bloss Musik – laute, klassische Musik auf DRS 2.
Die Uhr zeigt 03.50 ich bin im Auto unterwegs zur Arbeit. Auch andere Autos sind unterwegs. Sie nähern sich mir wie winzige Tiere, die rasch grösser werden. Sie tauchen gruppenweise auf, erscheinen irgendwie ferngesteuert. Wahrscheinlich weil eines von ihnen zu langsam fährt und sich die anderen aufstauen oder aber weil sie allesamt froh sind, wenn sie in der finsteren Nacht nicht allein sind und sich einem anderen Tier anhängen können. Mir geht es genauso. Am liebsten schleicht mein Tier um diese Uhrzeit einem anderen hinterher. Kommt eines von ihnen jedoch dem meinen von hinten zu nahe, verunsichert mich dies und ich stelle umgehnde meine klassische Musik leiser. Ich staune immer wieder über diese Gefühle...
Mir geht der Gedanke durch den Kopf, dass ich mit diesen anderen Menschen, die mir da begegnen, sprechen würde, wären sie nicht in Blech gehüllt. Wir würden uns darüber wundern was wir um diese Zeit auf der Strasse zu suchen haben, wir würden und anlächeln, uns wieder erkennen am nächsten Morgen – ja, wir wären auf eine Art Verbündete. So aber, mit unseren Blechtieren rundherum, wissen wir nicht einmal sicher, ob in jeder dieser Hülle nauch ein weicher Kern sitzt. Seltsam, seltsam...
Und doch: Irgendwie ist das Verhalten dieser frühmorgendlichen Blechtiere viel realistischer als meine Utopie davon, wie es wäre, ohne das ganze Blech drumherum. Unbewusst zielen die Blechtiere nämlich auf eine perfekte Mischung zwischen möglichst viel physischer Nähe und innerer Distanz - gar nicht so unmenschlich, würd ich meinen.
Kommentare (4)  Permalink

Kommentare

Müks @ 26.10.2007 10:45 CEST
Wir funktionieren doch oft genau andersrum und fühlen uns denjenigen am nächsten, die weit weg sind. Ist mir neulich in Tokios U-Bahn aufgefallen: So viele Menschen auf einem Raum – inklusive unvermeidlichem Körperkontakt zur Stosszeit – aber jeder zweite sms-elt in der Stadt und in der Welt herum.

In diesem Sinn ein inniger Gruss aus weiter Ferne :o)
Müks
rah @ 29.10.2007 19:22 CEST
merci :) und ja, so gesehen hast du auch recht. aber ob man sich jemandem nah fühlt mit dem man smslet ist doch auch immer wieder fraglich. schliesslich entstehen nirgends so viele missverständnisse wie beim sms verkehr.
übrigens staune ich darüber, dass du anscheindend eine tastatur gefunden hast mit einer normalen tastatur?? kuul.
ps. ich schuld dir noch 25 franke, die investition hat sich aber gelohnt :)
r
Müks @ 29.10.2007 19:43 CEST
Missverständnisse und Sich-nahe-fühlen, widerspricht sich das für dich? Zumindest meine Gefühle handeln nicht sehr rational, denen ist Kommunikation oft ziemlich wurscht (sonst wäre ich evtl nicht in Japan, wo ich nicht mal eine Zeitung lesen kann, aber trotzdem jeden Tag mit einem Hochgefühl rumschlendere)... :)

Ja, gefällt dir die CD? Sie ist halt live, hat Vor- und Nachteile :o) Freut mich natürlich, wenns so ist...

Ja, äöü-Tastaturen gibts hier zuhauf, seis am eigenen Laptop, den ich dabei hab, oder natürlich an der Deutschfakultät der Uni. Ist eh super, hier.

Grüeßli!
müks
rah @ 29.10.2007 19:55 CEST
also meine gefühle handeln natürlich immer hyper radional :) wenn sie denn handeln oder wie auch immer...
ja, die cd gefällt mir sehr gut.

ich muss jetzt noch ein wenig weiter schaffa...
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