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FRAU WEIDANACH

Ich kenne die Bedeutung der Buchstabenfolge „WEIDANACH“ nur deshalb, weil ich die drei Worte davor und das Wort, das darauf folgt, kenne. Jeden morgen höre ich „WEIDANACH“ und jeden Morgen von neuem regt mich der Begriff zu zwanghafter Grübelei an. Warum sagt die Frau das komische Wort? Warum sagt sie es so seltsam? Warum kann mein Hirn das unvertraute Wort nicht auseinanderpflücken und als das wahrnehmen was es ist und akzeptieren wie es ausgesprochen ist? WEIDANACH = „...weiter nach...“ – zwei eigentlich völlig vertraute Begriffe. Im Zusammenhang hiesse es wie folgt: „Dieser Zug fährt weiter nach Zürich Flughafen“.
Wahrscheinlich kommt meine unaufhörliche Verwirrung daher, dass ich einmal angefangen habe, mich über WEIDANACH zu wundern und das Wort nun automatisch Grübelei auslöst.
Warum Frau WEIDANACH die beiden Wörter dermassen unmöglich aneinanderleimt, warum sie weder Deutsch noch Französisch korrekt beherrscht, ob sie direkt im Lautsprecher sitzt, im vordersten Waggon, in einer Zentrale oder im stillen Kämmerlein alles auf Band aufgesprochen hat oder ob sie vielleicht sogar nur ein Computer ist - bleibt ein ewiges Geheimnis.
Ich stelle mir Frau WEIDANACH auf jeden Fall seltsam vor – alt und mit grellem roten Lippenstift.
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WHY NOT?

Er sieht müde aus, irgendwie verloren, irgendwie nicht wie von dieser Stadt. UND: er funkelt mich mit böse verengten Augen an!
Liebend gerne würde er sich nämlich neben mich auf den flauschigen Sitz im Tram setzen, auf dem meine rote Tasche trohnt. Solange ich aber die obligate Höflichkeitsfloskel „ist dieser Platz noch frei?“ nicht aus seinem Mund höre, bleibt die Tasche wo sie ist und ich kassiere vom Mann ein ungemütliches Funkeln. In Zürich-Örlikon entkomme ich dem bösen Blick, wechsle vom Tram in den Zug, suche mir im überfüllten Waggon zwei Plätze für mich und meine Tasche und schalte ab. Kurz darauf, es ist wie verhext, kommt schnaufend und wütend der böse blickende Mann ins Abteil geschneit.
Er entdeckt erst meine Tasche, dann mich. Ein Augenblick der Stille tritt ein. Die erschöpften aber feindseeligen Gesichter fechten einen unerbittlichen Kampf aus: Wer kann den anderen böser angucken? Auf einmal jedoch platzt der Mann heraus und lacht: „You’re the girl from the tram! - das Mädchen vom Tram". Meine Gesichtsmuskeln lockern sich, das Eis ist gebrochen. Der böse Mann und ich lachen bis uns die Tränen kommen und beginnen ungezwungen zu plaudern. Er, ein Private-Banker mittleren Alters ist erst seit ein paar Tagen in der Schweiz, findet die Leute kühl und unfreundlich, arbeitet ohne Unterbruch und weiss nicht so recht wie er die nächsten 5 Jahre - so lange ist er nämlich voraussichtilich hier - überstehen soll.
Ich höre interessiert zu, lasse meine Vorurteile schmelzen, baue Sympathie auf und denke schliesslich: "Why not?" und sage schliesslich: "lets go and drink some beers somewhere!".
10 Minuten später stehe ich mit dem schnaufenden Amerikane im Zürcher HB, trinke ein grooosses Bier, und rede über Gott und die Welt. Vor allem über die Welt - DAS PURE LEBEN!

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