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BEIGESETZT

Kalter Wind haucht mir ins Gesicht, es riecht eigentümlich, ich erlebe alles durch eine Scheibe, sehe graue Mäntel und schwarze Schirme. Draussen regnet es, ich nehme hier ein Räuspern und da ein Niesen war.
Das Ganze widerholt sich jeden Morgen um 08.24. Ich sitze im Zug nach Zürich und wache auf. Jeden Morgen der selbe Ablauf. Ich steige um 07.30 Uhr in Bern in den Zug, trinke meinen heissen Kaffe, lese die umliegenden Zeitungen und schaue zum Fenster raus. Bald einmal lege ich die Zeitungen weg und lehne den Kopf an die eiskalte Scheibe. Auf Höhe Olten schlafe ich ein um stets punkt 08.24 wieder aufzuwachen in Zürich Altstetten. Das Bild, das ich dann sehe und das Gefühl, das ich erlebe sind immer die selben: Als wäre ich auf einer Beerdigung. Ich weiss nicht wie ich diese Assoziation wieder loswerde. Vielleicht war ich auf zu vielen Beerdigungen bei Regen, vielleicht hat das komische Altstetten tatsächlich etwas Tristes an sich... - ich weiss es nicht.
ob ich allerdings tatsächlich von selber erwache oder ob es Frau Weidanach ist, die mich weckt... ;)
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KONTAKTJACKE

Ich wollte sie nicht kaufen. Ehrlich nicht. Doch dann (ziemlich überraschend) kam der Tag an dem ich mir einbildete, dass keine der anderen im Schrank zum Wetter vor der Tür passte. Ich stürmte ins nächste Geschäft und ergatterte mir eine: Eine kurze, schwarze modische 0-8-15-Lederjacke.
Eine, wie sie zur Zeit jede zweite Frau spazieren trägt. Eine, die heuer auch vor so manchem Männer-Kleiderschrank keinen Halt macht.
Auf der einen Seite lächelte ich stets über all die schwarzjackigen „Tussis“, die wie gleichgeschaltete Hühner mit ihren blöden Lederjacken durch die Stadt bummelten, auf der anderen Seite beneidete ich sie, denn sie sahen wirklich gut aus (ausser wenn ihnen der Speck zwischen der Lederjacke und der Miss-Sixty-Jeans hervordrückte). Und so wurde ich schliesslich schwach und habe zugelangt. (Zu meiner Verteidigung muss ich anfügen, dass ich die Jacke am nächsten Tag nicht retournieren konnte, da mir mein kleines rotes Universum mitsamt dem Umtausch-Kassenzettel gestohlen wurde.)
Ich begann also zwangsläufig, das schwarze Teil zu tragen. Doch zu meinem eigenen grossen Erstaunen ist die Kehrseite der Jacken-Medaille glänzender als erwartet: Seit ich nämlich das erworbene Lederding spazierenführe werde ich täglich von irgendwem angesprochen. Ob im Zug, im Tram, im Geschäft oder auf der Strasse: Die Leute wollen mit mir ins Gespräch kommen. Die Wildfremdesten Leute lächeln, grüssen, nicken und gucken. Die neu gewonnene Anziehungskraft gipfelte gestern Abend darin, dass mir im Zug ein junger indischer Ingenieur den Hof machte mit den Worten: „I am single and look for a girlfriend“.
Tja, beinahe hätte ich ihm zur Antwort gegeben: "... dann kaufen Sie sich am besten eine schwarze Lederjacke."
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