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Друзья - FREUNDE

Andrei und Trischk hiessen sie oder zumindest waren das die Wortfetzen, die wir bei der Begrüssung verstanden haben und die beiden Männer fortan so nannten. Sie: zwei Fernfahrer mit Route Astana (Kasachstan) – Osch (Kirgistan). Eine Route über 3500 Meter hohe Pässe, auf denkbar schlechten Strassen durch kilometerweites Niemandsland. Eine Route, auf der es im Sommer tropisch warm und im Winter sibirisch kalt ist. Ihr Laster ist mit 20 Tonnen Zement beladen, so dass sowohl bei Steigung als auch bei Neigung maximal 20 Stundenkilometer möglich sind. Zusammen trinken Andrei und Trischk alle zwei Stunden Chai/Tee und essen Schokolade-Täfeli. Abends gibt es ein kaltes Poulet vom Strassenstand, geschlafen wird direkt hinter dem Steuer, jeweils von dem, der gerade nicht fährt. Andrei ist Russe und sieht aus wie Moritz Bleibtreu in lustig und Trischk, der Kirgise, könnte das Cover einer Helvetas Broschüre zieren.

Von diesen beiden und ihrem Zementlaster haben wir uns auf unserer Veloreise durch Kirgisien aufgabeln lassen. Mit dem Fahrrad wären wir nicht langsamer unterwegs gewesen, doch meine Knie brauchten dringend eine Pause vom „Passfahren“. Andrei und Trischk versenkten unsere Fahrräder zwischen die zentnerschweren Betonelemente auf der offenen Ladefläche und klemmten die Saccochen irgendwo dazwischen. Obwohl es in der Führerkabine 40 Grad warm und zu viert recht eng war, fühlten wir uns auf Anhieb wohl mit Andrei und Trischk. Das Russich ging erstaunlich leicht über unsere Lippen, wir tranken literweise heissen Tee aus Andreis und Trischks Tassen, assen geschmolzene Täfeli und schauten verzückt auf die kleinen Autos herunter, die uns sonst in Angst und Schrecken versetzten. Ein Traum-Ruhetag auf der rechten Überholspur...

Dann wurde die Idylle durch das Klingen eines Handy gebrochen. „Da, Roman...“, meldete sich Andrei am gemeinsamen Handy. Ein Mann namens Roman war dran. Wohl der Chef der beiden, nahmen wir an. Der Mann am anderen Ende sprach hektisch und rief von da an immer wieder an. Unsere beiden Freunde wurden am Telefon jeweils ganz ernst und erzählten mit Seitenblick auf uns von „... Turist...taxi...“ das machte uns unsicher, irgendwie misstrauisch. Waren Andrei und Trischk vielleicht gar nicht so nett, wie sie aussahen? Trog die Idylle in der schweineheissen mit Teppichen ausgesstopften Führerkabine? Wo führten sie uns hin? Wer war Roman? Waren wir naiv und liessen uns mitten im Niemandsland entführen?

Auf einmal, ein lautstarker Knall: Kein Schuss. Ein Pneu war geplatzt. Das Flicken in Teamarbeit dauerte knapp ¾ Stunden. Der kaputte Pneu (ca. ein Meter hoch) wurde den Hang hinunter in den See geworfen. Wir fuhren weiter. Danach, in der engen Kabine, waren unsere Zweifel wieder verflogen, das vertraute Gefühl wieder da. Andrei und Trischk waren unsere Freunde, unsere Drugas. Wir lehnten zurück, gondelten durch die mittlerweile zappendusteren Strassen und schämten uns im Stillen für unser Misstrauen.

Doch dann brach Andrei die Idylle erneut. Er nahm den Kontakt zur Aussenwelt auf und telefonierte mit Roman „turist... da ... turist...“. Er hängte ein, fuhr scharf rechts ran und bat uns auszusteigen. Hier könnten wir unsere Zelte aufschlagen, hier sei ein schöner Platz für uns. Wir kletterten mit steifen Gliedern aus dem Laster und sahen hinter uns einen anderen Zementlaster anhalten und im grellen Scheinwerferlicht zwei Männer auf uns zukommen. Das also war der Komplott, ging es uns durch den Kopf: die zwei sollten uns das Gepäck abnehmen, uns ausrauben und dann im See versenken. Der eine war Roman, Andrei und Trischkeru seine Komplizen...

Das Gegenteil war der Fall: die beiden vom hinteren Lastwagen sollten dabei helfen unser Gepäck vom Laster runterzuhieven. Dazu waren sie wohl telefonisch beordert worden. Zum Abschluss gab eine ausführliche Handy-Fotosession, Abschieds-Händeschütteln, Adressentausch...

Echte Друзья schmieden keine Komplotte!

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