BlogBilderKontakt

AM STRAND VON NIRGENDWO

Ich auf einer eisernen Rutschbahn. Ich beim Werfen einer roten Boccia-Kugel. Ich mit einer Glacé am Strand von irgendwo und ich im loddeligen Rosa-Badekleid an einem anderen Strand im Nirgendwo...

Solche Ich-Bilder formen meine Erinnerung an „Früher“. Sie haften in meinem Kopf weil ich sie über die letzten Jahre hinweg immer wieder angeschaut und mich an die Szenen drumherum erinnert habe. Deutlicher als an alles andere, was in meinem Leben geschehen ist. Es sind Fotos. Meist von meinen Eltern oder meiner Schwester geschossen. Ob Winter- oder Sommerbilder, haben sie alle eines gemeinsam: Sie wurden an den so genannten „Höhepunkten des Jahres“ geknipst. Ein buntes Sammelsurium an Lebensbildern, das an meinem geistigen Auge vorbeizieht, wenn ich mal das zeitliche segne.... -  oder eben gerade nicht? Wären dies vielleicht ganz andere Bilder? Bilder, die gar nie aufgenommen wurden? Bilder, die meinen tatsächlichen Alltag zwischen all den abgebildeten Höhepunkten abbilden? Manchmal, wenn man ganz genau hinsieht, entdeckt man sie im Kontext der HÖHEPUNKTE-BILDER: Die Migros im Hintergrund, das Wohnzimmer, in dem die Tannenbaumszene stattfindet, das Auto auf dem Parkplatz... Doch sonst stehen unsere ALLTAGSBILDER unter einer Art Foto-Schutz. Kein Fotoapparat würde je ein solches zum Aufnehmen würdig befinden. Sie sind zu normal und genau das ist ein Fehler.  

Experiment: Es ist an der Zeit, konkrete Erinnerungen für Morgen vorzubereiten. Das beste Mittel dazu ist das Handy. Mit ihm lassen sich die ALLTAGSBILDER ins rechte Licht rücken, ohne, dass das ganze Umfeld denkt, man sei verrückt. Im Foto-Ordner abgelegt unter "ALLTAGSBILDER", bin ich mir sicher, dass genau das die Bilder sind, die sie und ihre Nachkommen in 20 Jahren am brennendsten interessieren. Keiner wird dazu je sagen: Ach und das ist wieder „Im Bad von nirgendwo“.

Kommentare (2)  Permalink

Kommentare

Sahli Peter @ 19.01.2010 10:37 CET
und trotzdem sind es schöne Erinnerungen. Das Foto alleine macht es nicht aus, sondern die vielen anderen Bilder und Begebenheiten rund herum die damit im Kopf hervorgeholt werden. Interessant was man da nach Jahrzenten noch im "Speicher" vorfindet.

Pa
rah @ 23.01.2010 17:41 CET
ja, du hast recht. ich frage mich allerdings, wie es bei unseren "nachfahren" sein wird. die haben dann ja wohl viel mehr fotos von sich im kindesalter. ob die sich dann an mehr erinnern als wir uns?? hm... ¨
ra
Keine (weiteren) neuen Kommentare erlaubt.