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CTRL F

Sie leben ganz nah bei mir. Also sie leben nicht wirklich, aber sie sind ganz in meiner Nähe. Würden Sie leben, könnte ich nach ihnen rufen, sie kämen angetanzt, und ich hätte drei Probleme weniger. Die Rede ist von meinen verlorenen drei Lieblingsdingen: Mein knallrotes Portemonnaie, meine signalrote Agenda und das wertvollste im Trio: Meine Geburtstaguhr (schwarz), die ich zum 30. Geburtstag von meinen Eltern geschenkt bekommen habe. Das Trio ist spurlos verschwunden. Nicht so verschwunden, dass ich mich  beispielsweise daran erinnern könnte, eins der drei im Zug benutzt und nicht korrekt verstaut zu haben. Alle drei sind ganz einfach weg. Das Portemonnaie ist wahrscheinlich am „wegsten“, es wurde eventuell sogar geklaut. Die anderen beiden aber liegen höchstwahrscheinlich in meiner unmittelbaren Umgebung und warten darauf, gefunden zu werden. Nur wie?
Als "computerisierter" Mensch schiesst mir, sobald ich darüber nachdenke, jeweils für eine Hundertstelsekunde die Allzwecklösung CTRL F durch den Kopf - der Impuls, die „Suchfunktion“ des Computers zu nutzen. Warum, frage ich mich dann, gibt es im richtigen Leben nichts Adäquates? Wir haben es hier mit einer Erfindung zu tun, welche die virtuelle der realen Welt voraushat. In der wirklichen Welt nämlich ist, wer die virtuelle Suche gewohnt ist, ziemlich verloren. CTRL F - und was ich suche zeigt sich mir, sofern auf der Festplatte vorhanden. So einfach geht das.

So habe ich denn gestern beschlossen: Was der Rechner kann, kann ich auch. Sprich: Millimeter für Millimeter einer betroffenen Festplatte, in dem Fall also unserer Wohnung, absuchen. Ungeachtet aller  „hier kann es unmöglich sein“ Störgedanken, die menschlich aber nicht virtuell sind. Das physische CTRL F begann um 07.55 Uhr im Schlafzimmer: Von der Schrankoberfläche ausgehend (?)wurde der Raum lückenlos (auf Händen und Knien) mit den Augen abgetastet. Der Erfolg trat bereits um 08.02 Uhr ein: In einem unmöglichen Winkel unterhinterzwischen dem Bett lag die Uhr. Ohne mein neues Computerhirn wäre sie dort wohl verrottet.

Ps: Vielleicht haben meine Eltern (die noch im nicht-digitalen Zeitalter gross geworden sind) doch Recht: Ordnung ist das halbe Leben.

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Z oder A?

Ich unterscheide beim menschlichen Verhalten zwei Grundgruppen: Z, die Zeiger und A, die Angucker.
Z-Menschen produzieren. Sie basteln, malen, organisieren Feste, sie bloggen ;), kochen für Gruppen und meiden öffentliche Vorträge ohne Sitzgelegenheit. Ihnen gegenüber stehen die A-Menschen. Sie konsumieren. Sie besuchen Ausstellungen, lesen Zeitschriften, geniessen Einladungen, sehen fern, kaufen lustige Ansichtskarten zum aufstellen, hören Radio und erfreuen sich am Gesehenen und Gehörten.
Natürlich gibt es auch die Buchstaben-Menschen dazwischen. Doch reihen sich die meisten entweder näher bei A oder näher bei Z ein (ausser natürlich die N- und M-Menschen).
Zusammen ergänzen sich all die Buchstaben perfekt. Sie bilden einen Kreislauf, fast schon ein Perpetuum Mobile. Ohne die Existenz der Pole würde sich in der Gesellschaft die totale Leere ausbreiten.

Ich persönlich liege, wie es sich für eine Bloggerin wohl gehört, recht nah beim Z und ich kann diese Neigung voll ausleben. Doch genau das wird wohl irgendwann ein Ende haben wird. Spätestens dann, wenn ich 92 Jahre alt bin...
Aufgegangen ist mir das beim Besuch bei meiner Grosmutter vergangenen Samstag. Wie immer zeigte ich ihr Fotos von all meinen Abenteuern. Ich erzählte ihr von Glück- und Pechmomenten und liess sie durch ihre Lesebrille Handybilder von der Olympiade angucken. Sie lächelte und freute sich über meine Anwesenheit. "Ein klassischer A-Typ", ging es mir durch den Kopf. Doch dieser Gedanke machte mich stutzig. Genetisch wäre es doch nahe liegend, wenn meine Grosmutter eher Z als A wäre. Schliesslich war sie früher Scheiderin und leidenschaftliche Bastlerin....
Fallen alte Menschen in unserer Gesellschaft vielleicht automatisch und unfreiwillig in die Kategorie A, wo sie dann Fern sehen, Radio hören und sich still halten. Ganz einfach, weil ihnen keiner zuhört, keiner sich anschaut was sie tun, keiner sich für ihre kleine Welt interessiert...?

Das Experiment:
Ich machte mich also daran, den wahren Buchstaben meiner Grosmutter zu ergründen und fragte sie nach Dingen aus ihrem Leben. Und siehe da, augenblicklich brach der Z aus ihr heraus. Binnen Sekunden war ich inmitten von selbstgemalten Brettli, gestickten Tischtüchern – in der Hand ein Heftli mit einer mit Leuchtstift markierten Passage, die ich unbedingt lesen musste. Mein Rucksack füllte sich mit aufbewahrten „Geschenkbändeli“ und bestellter Tupperware.
Artig schlüpfte ich für einen ganzen Nachmittag in die mir ungewohnte A-Rolle und liess meine Grosmutter aufblühen – ein toller Tag.

ps: Nachdem ich den wahren Buchstaben meiner Grosmutter kenne, bin ich selber höchstens noch ein v oder w :)...

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DER SCHICKFALL

Schicksal oder Zufall? Ich weiss nicht wer von beiden wahr und wer falsch ist. Was ich dagegen weiss ist, dass Dinge geschehen, die „weder noch“ sind.
Das Wissen darum habe ich aus folgender Situation gezogen: In den vergangenen zwei Wochen begegnete ich viermal der Firma „sia Abrasives“ (stellt Schleifmittel her). Im exakten Abstand von jeweils vier Tagen las ich (A) einen Artikel darüber, hörte (B) einen Podcast dazu, half ich (C) ein Türrahmen mit ebensolchem Papier zu schleifen und versteckte sich (D)  der Held im Sonntagabendfernsehfilm hinter einem Logo von „Bosch“ – die exakt vier Tage vorher die Firma „sia Abrasives“ übernommen hatten!
Kurz gesagt: Schicksal war das kaum (es sei denn irgendetwas wollte mir verklickern, ich solle Schleifpapier kaufen) und wenn es tatsächlich Zufall war fragt sich, seit wann dieser so exakt fällt, dass er eine logische Spur hinterlässt?
Aus dem Erlebten schliesse ich, dass weder Schicksal noch Zufall, wahr sein können, dafür aber deren Kombination ungeahnte Möglichkeiten bietet: DER SCHICKFALL - „ein mit Absicht herbeigeführter Zufall mit Folgen“.
Wenn man an den Schmetterlingseffekt denkt, an die Tatsache also, dass mit einer winzigen Bewegung unendlich viel beeinflusst werden kann, eigentlich eine einfache Sache. Beim SCHICKFALL bedarf es nur einer winzigen Sache, die man für jemand andern bewirken oder jemandem in den Weg legen muss, um dessenLeben potentiell zu beeinflussen. Warum nur tun wir dies nicht öfter? Zum Beispiel mit einem Gedacht-Getan-Tag ?

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NIARB EMAG

Ob Fitness und Beweglichkeit, ob Reflexe oder Gesang – der menschliche Körper ist derart konzipiert, dass er Wiederholungen nötig hat, um Gelerntes zu erhalten oder Fähigkeiten auf ein höheres Level zu bringen. Fleissig tun wir dies auch.
Doch ein Übungsfeld geht zunehmend vergessen: Das Gehirn. Gerade Menschen, die in unmittelbarer Nähe zum Bildschirm arbeiten, meinen, sie haben diesbezüglich ganz automatisch ihr Training. Doch genau bei ihnen verkümmert das Gehirn schleichend. Haben sie doch einen Grossteil aller nötiger Informationen bloss einen klickweit entfernt – eine Erinnerung ist nicht vielfach überflüssig.
Nach dieser Erkenntnis habe ich beschlossen, dem drohenden Gedächtnisschwund entgegenzuwirken und neulich begonnen, eine Gewohnheit aus Jugendzeiten hervorzukramen: Das RÜCKWÄRTSDENKEN. Konkret rufe ich mir Sätze in Erinnerung und denke diese übungshalber rückwärts. Für meine grauen Zellen messbar besser als jede Art von „brain game“ à la Nicole Kidman.
Für mein tägliches Training auserkoren habe ich den Zug (morgens und abends 1 Stunde). Hier kann ich zum Fenster rausstarren und die Ortschafts- sowie Firmannamen umkehren. Dabei habe ich eine neue Leidenschaft entdeckt: Die Suche nach dem geheimen Ort. Es gibt auf der Strecke Zürich Bern einen Durchfahrtsort, den ich partout nicht entziffern kann: melingen- hiltersfingen? Respektive negngsretlih – negnillem? Voller Spannung warten mein Hirn und ich nun täglich zweimal auf den geheimen Ort und ich hüte mich davor, die Lösung des Geheimnisses am Schreibtisch zu suchen – auch wenn sie, wie ich weiss, nur einen klickweit entfernt ist. Diesmal komme ich nicht so leicht davon.

Ps: Wer rückwärts Zug fährt kann zwar nicht schneller rückwärts sprechen, kann aber die Ortstafeln länger betrachten  - oder ist dies ein Trugschluss?

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DIE GEIGE UMSTIMMEN

Ein klassischer Grund, das zarte Band einer Freundschaft zu zerschneiden: Das Gegenüber signalisiert einem, dass man nur noch die zweite Geige spielt in seinen Plänen. Eifersucht auf die vermutete Erste, Sehnsucht nach einem höheren Rang und Ehrgeiz machen sich augenblicklich breit, wenn die eigene Position hinter die eines anderen zurückgestuft wird.
Eigentlich ergibt diese Reaktion (in Beziehungen ausserhalb der Partnerschaft) jedoch überhaupt gar keinen Sinn. Das Bild hinkt und zieht falsche Gefühle nach sich: Erstens sind wir in den meisten Fälle selber Schuld an der Zurückstufung, z.B weil wir mit dem Gegenüber genau das Selbe getan haben oder ganz einfach weil wir zu wenig Anstrengung unternommen haben, erste Geige zu bleiben. Zweitens ist überhaupt gar nicht klar, woher die zweite Geige im zwischenmenschlichen Bereich einen so schlechten Ruf hat (das zweite Kind einer Familie oder das zweite Bier am Festival haben es doch auch nicht). Drittens und wichtigstens bringt die Position der ersten Geige oftmals unliebsame Verpflichtungen mit sich, über die man sich denn auch mal ganz schön nerven kann.
Ein klassischer Fall von: Festestellen, Aufräumen, Freifühlen - FAF.

Ich denke, Sie werden feststellen, dass es in Ihrem Leben so manche Beziehung gibt, bei der Sie den völlig unsinnigen oder der Vergangenheit angehörenden Anspruch an eine erste Position haben. Treten Sie doch versuchsweise einmal freiwillig eine Reihe zurück, machen Sie Platz in der Vordersten Reihe und fühlen Sie sich angenehm, wohl, erleichtert. Völlig frei von Verpflichtungen. Ein wunderbares Gefühl, allein durch Umdenken hingezaubert...

Ps: Dabei stets brav aufpassen, das Sie in mindestens einem Konzert Gelegenheit haben, erset Geige spiezu spielen...
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HIRNGESCHICHTEN

Die tägliche, immense Informationsflut lässt uns zu Info-Junkies werden. Ich zum Beispiel kann kaum mehr sein, ohne ständig aufzusaugen, ohne Hirnnahrung, ohne Kopf-Stoff... So ist es für mich denn eine ziemlich üble Situation, ohne jeglichen Lesestoff im Zug zu sitzen und mehr als 10 Minuten zu fahren. Gestern ist dieser Fall eingetroffen. Das Buch in der Handtasche war ausgelesen, die Zeitung von gestern, die Agenda hatte ich im Büro liegengelassen – kein Kopf-Stoff weit und breit. Wie ein Junkie quälte ich mich deshalb durch den Zug und schnüffelte nach „heutes“ oder „20minutens“, welche die Putzmänner übersehen hatten (oder nicht einsacken konnten weil sie jemand zum Füsse-Hochlagern brauchte). Als mein gieriges Auge nicht einmal ein aufgehängtes „VIA“ fand und ich schon begann unter der Kappe zu schwitzen, disponierte ich um... schliesslich ist das Menschliche Hirn riesig und der ganze Synapsenmüll (so sagt mein Mitarbeiter), der einem Nachts beim träumen heimsucht, sollte doch auch tagsüber zugänglich gemacht werden können...!
Experiment:
Dein Hirn erzählt Dir eine Geschichte. Beginne mit einem alltäglichen Gegenstand und spinne mit Assoziationen aus Deinem Hirn eine Geschichte oder Informationsansammlung weiter. Dabei können Gegenstände, Gefühle, Ideen, Gespräche und Menschen vorkommen... Wichtig dabei ist lediglich keine Pausen zu machen, immer den nächstbesten Gedanken aufzuschnappen, nicht zu überlegen und das Hirn am Vorausdenken zu hindern. Passiert Letzteres muss umgehend ein anderer Gedankengang eingeschlagen werden. Die letzte Regel: nimm Dir einen physischen Zielort vor, z.B. den Bahnhof Bern, damit du mit der Geschichte irgendwann zu einem Ende kommst...

Die Hirngeschichten die ich bis jetzt erlebt habe sind unglaublich! Du wirst staunen, lieber Leser, was Deine Hirnzellen Dir zu sagen haben. Vorhin auf dem Heimweg kam mir übrigens aus der verschlungensten, hintersten Ecke meiner Gedanken die Idee, dass ich unbedingt noch Kaffe kaufen muss und deshalb eine Station früher aus dem Tram steigen sollte...

Ps: Mund zuklappen nicht vergessen und bitte die Lippen nicht bewegen...vor allem wenn Du mit jemandem das Abteil teilst ☺
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DIE REGLERIN

Es gibt gewisse Regeln im Leben – das zumindest wurde mir die ersten 17 Jahre meines Daseins eingetrichtert. Nur hat sich bald einmal herausgestellt, dass es an denjenigen Orten, an denen Regeln wirkliche etwas regeln würden, eben keine sinnvollen Regeln gibt...
Zum Beispiel an Konzerten: Wie verhalte ich mich als Zuschauerin an einer so genannten Schnittstelle im Menschenpulk des Zuschauerraumes korrekt?
Mit Schnittstelle meine ich die Übergänge von zum Beispiel denen, die voll am Abtanzen sind und denen, die sich mit einem leichten Kopfnicken begnügen. Ich treffe meist auf genau diese Schnittstellen und  da fehlen mir dann die Regeln – die es doch angeblich im Leben gibt.
Wie lange soll ich meine Hände oben behalten und klatschen, wenn die Leute hinter mir längst  damit aufgehört haben? Ist es peinlich, mitzusingen, wenn rundherum keiner einen Ton von sich gibt? Warum überhaupt schaffen es die Leute in den hinteren Reihen nie, die Arme im selben Takt zu schwenken, wie die vorderen Reihen und die Taktangeber auf der Bühne und warum hört die Nachbarin immer genau dann auf mit klatschen auf, wann ich  -  ich weiss es schlicht nicht!
Tipp für ein kleines Experiment:
Versuchen Sie sich  an ihrem nächsten Konzert korrekt und nach Lust und Laune zu verhalten. Das heisst, genau so, wie es die Band und die Musik verlangen – völlig ungeachtet aller Nachbarn und Schnittstellen. Klatschen Sie dann den Takt wenn alle Hände unten sind und schwenken Sie ihre Arme konsequent richtig und singen sie die Passagen, die sie kennen, mit.
Sie werden staunen, wie dankbar die verlorene Meute um sie herum sein wird und wie schnell sich alle "richtig" verhalten!
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DER CUMULUSKÄMPFER

„Phantasie hat man oder man hat sie nicht.“ – Diese Behauptung hat für mich keine Berechtigung. Nicht umsonst existiert schliesslich der Ausdruck „die Phantasie anregen“. Leider wird diesem in unserer Gesellschaft viel zu wenig Beachtung geschenkt. Ich persönlich glaube nämlich, dass die Phantasie in jedem von uns schlummert und ich finde, dass sie geweckt gehört!
Am einfachsten funktioniert dies, in den so genannten „Zwischenräumen“: In der Zeit, in der man von A nach B reist; in der Zeit, in der man auf das Tram wartet; in der Zeit, in der man kurz pausiert... - Diese Zeitblöcke (frei von Arbeit und sozialer Betätigung) und das aktuelle Gewitterwetter sind die idealen Zutaten zum „WOLKENBILDER FORMEN“!

Experiment:
Nehmen Sie sich wider einmal Zeit, in den Himmel zu schauen und sich Geschichten auszudenken über die verschiedenen Figuren, die in den Wolken entstehen. Es ist verblüffend, wie real diese Bilder werden können. Die kämpfenden Eisbären, der fliegende Elefant, der Junge mit dem Ballon... - eine Fotografie könnte sie alle nicht realer abbilden!

Der positive Zusatzeffekt, wenn man das Experiment zu zweit ausführt:
Man realisiert wieder einmal, dass die Bilder, die wir uns von der Welt machen, bei jedem ganz unterschiedlich sind und es extrem schwierig ist, einander Eindrücke zu übermitteln.
Warum also glauben wir immer noch, dass die Menschen einander verstehen sollten?
(„...doch, lue doch, dört, obe si d’Ouge, när d’Nase... mou, lue doch...„)

Fazit:
"Angeregte Phantasie bringt den Beweis, dass eine schlüssige Kommunikation von Mensch zu Mensch schlicht unmöglich ist"
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MITTELMASS MITTELALTER

Alle Welt orientiert sich nach vorne, oben, weiter... - warum eigentlich?
Warum nehmen wir die Hierarchie-Regeln unserer Konsumgesellschaft so kritiklos an und streben unbeirrt den gesellschaftlich vorgegebenen Zielen entgegen?
Warum hat der Mensch im Jahr 2007 am meisten Wert, wenn er „mittelalterlich“ ist – das heisst, weder am Anfang noch am Ende seines Lebens steht?
Könnten wir nicht gerade von diesen Extremitäten viel lernen ? - Alte Menschen verfügen schliesslich über eine maximale Lebenserfahrung und Kinder verfügen über unverfälschte Instinkte. Den „Mittelalterlichen“ kommt beides abhanden. Während sie den Gewinn von Lebenserfahrung erst im Alter erreichen, ist ihnen das „kindliche“ Gen irgendwann abhanden gekommen und sie wurden ferngesteuert und ernst...

EXPERIMENT: Auf Bäume klettern...
Es geht ganz einfach: Ohne viel zu überlegen den untersten Ast des auserwählten Baumes packen und raufklettern...
Dachte ich ;)! Beim ersten Versuch habe ich mit Schrecken festgestellt, wie weit ich mich vom tatsächlichen Gebrauch meines Körpers, der Natur und der Keine-Angst-kennen-Einstellung entfernt habe, mit der ich als Kind meinen Eltern das Fürchten lernte.
Mein auserwählter Baum schien unmöglich hoch, ich wusste nicht recht, wie Arme und Beine koordinieren, und als ich dann endlich nach oben gemurkst war, kroch mir ein mulmiges Ich-bin-ja-gar-nicht-angeschnallt-Gefühl den Nacken hoch.

Doch als Fazit kann ich nur eins sagen: Vergessen Sie alle Stress-Seminare und steigen Sie ab und zu auf einen Baum (solange noch welche stehen...)
Es wirkt Wunder!
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HINSEH-TAG

Als ich neulich gedankenverloren die Strasse entlang ging, kamen mir 5 Jugendliche entgegen: 16 bis 20 jährig, hip-hop-Stil und schlurfenden Schrittes. Soweit hatte ich damit kein Problem, bis auf die ewig quälenden Fragen: Wen blicke ich an? Blicke ich überhaupt einen von ihnen an? Wenn ja, welchen, ab wann und wie lange? Oder blicke ich besser an der Gruppe vorbei? Wohin denn? Über sie drüber, neben ihnen durch oder runter auf den Asphalt?
Ich wusste es nicht und konzentrierte mich lieber darauf, nicht zu langsam und nicht zu schnell zu gehen (solange bis ich fast verlernte zu gehen...) und, ich entschied mich einmal mehr für ein diskretes Wegsehen.
Schliesslich lebe ich in einer „Kultur des Wegsehens“. Diese Erkenntnis und der Gedanke daran, dass die meisten meiner Leserinnen ebendieses Phänomen kennen, beruhigte mich. Die beruhigende Erkenntis wurde auf dem Heimweg im Tram ruckartig ins Wanken gebracht. Das Kind im Wägeli vor mir starrte mich nämlich unverwandt an. Ich lächelte - es starrte, ich guckte weg und gleich wieder hin - es starrte noch immer, ich schnitt eine Grimasse - es starrte...
Fazit: Die „Kultur des Wegsehens“ ist keineswegs angeboren, sondern vielmehr antrainiert/ansozialisiert und gilt demnach unbedingt zu brechen... ;)

Experiment: DER HINSEH-TAG
Die einfache Regel: Wenn etwas meine Aufmerksamkeit – durch Geräusche, Schönheit, Kuriosität oder Bewegung – auf sich zieht, schaue ich hin. Solange und intensiv wie der Verusacher von Interesse ist.
Der erste Hinsehtag war heute...
... die Reaktion der „Angestarrten“ war verblüffend: Sie schauten zurück, lächelten und die meisten öffneten sogar den Mund und begannen ihr eigenes Verhalten zu kommentieren!
Erfolg auf der ganzen Linie also? Nicht ganz: Ein musikhörender Mittfünfziger fragte anrüchig lächend: "Kennen wir uns junge Frau?" ... - is ja zum Glück nur ein Experiment!
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